[schiller-gymnasium hof]
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Steigende Preise trotz ausreichender Vorräte? Die Versorgung mit Mineral- und Energie-Rohstoffen in der Zukunft.

Ein öffentlicher Vortrag am 10. Juli 2008 von Prof. Dr. Harald G. Dill

Drei Rohstoffgruppen bestimmen unser tägliches Leben, die Energierohstoffe, die Metallrohstoffe und die Rohstoffe des Steine-und-Erden-Sektors.

Der Autofahrer merkt es jeden Tag an der Zapfsäule und der Hausbesitzer an der Gasrechnung spätestens im Winter, dass sich auf dem Energie-Sektor etwas bewegt, nämlich der Preis nach oben. Fragen über Fragen: Wie schnell nehmen die Rohöl- und Erdgasvorräte ab? Hat die Kohle in Deutschland noch eine Zukunft oder gibt es eine Renaissance der Kernbrennstoffe Uran plus Thorium? All diese Fragen sind so eng miteinander verknüpft, dass sie fast einen gordischen Knoten bilden. Aber wir können nicht auf einen Alexander hoffen, der diesen Knoten mit einem Geniestreich durchschlägt, denn es kommt erschwerend dazu, dass diese naturwissenschaftlichen Fragen in zunehmendem Maße von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen instrumentalisiert werden.

Der Blick auf die steigende Energiepreise lässt uns oft vergessen, dass auch die mineralischen Rohstoffe, die wir täglich in irgend einer Form benützen, einem stetigen Preisanstieg unterworfen sind. Die Besitzer von Gold sehen es an den Börsennotierungen und freuen sich. Die Einkäufer von Eisen, Kupfer, Zink, Blei und Aluminium bemerken ebenfalls den Preisanstieg dieser Metalle, aber in negativer Weise. Sie geben die gestiegenen Einkaufspreise an die Endverbraucher weiter, die für verschiedene Produkte mehr bezahlen müssen. Wer will schon gern auf sein Handy verzichten, weil eine ausreichende und kostengünstige Versorgung mit COLTAN in naher Zukunft nicht mehr gewährleistet ist, oder auf sein Auto verzichten, weil die Stahlpreise anziehen? Die Erze werden in ausländischen Minen abgebaut, deren Größe man sich in unserer mitteleuropäischen Landschaft nicht vorstellen kann. Sie müssen mit Massengutfrachtern über die Ozeane transportiert werden, zum Endverbraucher oder zu den Veredlungsbetrieben oder dorthin, wo die kostengünstigen Energieträger vorhanden sind. Damit konkurrieren die mineralischen Rohstoffe sowohl untereinander als auch mit den Energieträgern um den Transportraum („kein Stahl ohne Kohle“).

Die Erze werden nicht selten in Regionen geringer politischer Stabilität abgebaut. In diesem Fall werden geogene Faktoren von politischen überlagert. Ein typisches Beispiel hierfür lieferte in der Vergangenheit der Staat Kongo (früher Zaire) mit seinen Kupfer- und Kobaltlagerstätten. Die instabilen politischen Verhältnisse hatten direkte Konsequenzen für die BR Deutschland, die zu nahezu 100 % auf Importe metallischer Rohstoffe angewiesen ist.

Auch in Deutschland gibt es Rohstoffprobleme durch die konkurrierenden Nutzungsansprüche. Sie betreffen den Steine-und–Erden-Sektor. Man merkt es als Häuslebauer. Sand, Kies, Kalk und Natursteine werden teurer, weil entweder die Vorräte zu Neige gehen oder weil diese Rohstoffe, ohne die kein Haus und keine Straße gebaut werden können, wegen menschlicher Eingriffe nicht mehr in ausreichendem Maße verfügbar sind.

Steine-und-Erden, Energie- und Metallrohstoffe sind für eine Industrienation wie Deutschland essentiell. Um die Rohstoffkreisläufe, die Beziehung der Rohstoffgruppen untereinander und deren Nutzung in Abhängigkeit von gesellschaftspolitischen Prozessen beurteilen zu können, bedarf es umfassender Kenntnisse und einer ideologiefreien Beschäftigung mit den geogenen Rohstoffen. Anhand ausgewählter Beispiele aus den drei Rohstoffgruppen (Energie, Metalle, Nichtmetalle/Steine-und-Erden) sollen diese Beziehungen erläutert werden. Jeder Leser und Zuschauer kann so sein eigener „Rohstoffanalyst“ werden und die Vernetzung mit den gesellschaftspolitischen Fragen herstellen.

Anmerkung der Redaktion: Professor Dill legte 1969 sein Abitur am Schiller-Gymnasium Hof ab.

 

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