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In den späten 60er Jahren sagte mir der Berufsberater am damaligen Schillergymnasium, dass die Lust am Reisen für die Aufnahme eines geowissenschaftlichen Studiums nicht ausreichend sei. Mehr konnte ich ihm mit meinen Fragen über Kartographie, Geographie und Gesteinskunde damals nicht entlocken. Der Berufsberater hatte Recht, wie sich später zeigte. Reiselust ist viel zu wenig, ein Umstand, der offensichtlich sich auch heute noch nicht bei allen Studenten herumgesprochen hat.
Die Geowissenschaften sind ein Teil der Naturwissenschaften. Sie bauen auf physikalisch-chemischen, mathematischen und biologischen Grundlagen auf. Dies gilt für ihre angewandten und ihre theoretischen Teilbereiche. Die Geowissenschaftler sind sowohl im oberflächennahen Teil der Erde, im Grenzbereich zur Biosphäre, Atmosphäre und Hydrosphäre tätig, wie auch in der Lithosphäre. Geographie, Geodäsie und Geophysik nehmen eine Mittlerfunktion ein. Die Geographie hat sich in den letzten Jahren stark gesellschaftspolitisch orientiert, die Geodäsie hat sich mehr zu den reinen Ingenieurwissenschaften hin entwickelt und die Geophysik hat sich immer als Teil der Physik verstanden. Trotzdem kommt der Geologe, besonders wenn er angewandt arbeiten will, nicht ohne die beiden letztgenannten Disziplinen aus. Dies gilt vor allem für die Rohstoffgeologie, wo sich ein großer Teil der Exploration geophysikalischer Methoden bedient.
Die klassischen Geowissenschaften Geologie, Mineralogie und Bodenkunde stellen die Kernfächer dar. Früher wurden getrennte Diplom-Abschlüsse erworben, heute werden an den meisten Universitäten nur noch der B.Sc und der M.Sc in Geowissenschaften verliehen, den man mit dem Dr. rer.nat. ergänzen kann.
Das Berufsbild der Geowissenschaften in Deutschland unterscheidet sich grundlegend von dem im Ausland. Wer „klassisch geologisch“ arbeiten will, sollte sich frühzeitig mit Sprachen befassen. Englisch ist Grundvoraussetzung, da es die internationale Wissenschaftssprache ist.
Der erste Professor in Geologie, den ich traf, eröffnete mir: „Geologie ist kein Beruf in Tennisschuhen“. Ich kann ihm auch heute noch zustimmen. Mit „desktop geology“ findet man keine Rohstoffe und wenn Hangrutsche wirklich bis ins Büro des Geologen vordringen, spricht das eher gegen ihn.
Wie kommt man zu diesem Beruf ? Fossilien- und Mineraliensammeln ist ein sehr schönes Hobby, reicht aber allein nicht aus, selbst dann nicht, wenn man sicher weiß, dass man in einem Museum unterkommt. Aber natürlich geht es in diesem Beruf nicht ohne Sammeln, beispielsweise von Daten. Man außerdem eine besondere Beziehung zur Landschaft und dem, was darunter liegt, entwickeln. Als Lagerstättenkundler, Mineraloge und angewandter Sedimentologe bin ich im wertschöpfenden Teil der Geowissenschaften tätig und übe meine „Sammler- und Messtätigkeit“ vor allem auf dem Sektor der (Geo)Chemie unter Verwendung der Methoden der Physik aus.
Ich habe es noch keine Stunde bereut, dass ich mich für die Geowissenschaften entschieden habe. Sie befassen sich mit unbelebter alter bis steinalter Materie, aber es ist eine sehr lebendige und dynamische Disziplin, weil sie Anwendung, Forschung und Ausbildung beinhaltet. Und sie befasst sich mit dem sehr dynamischen Gebilde „Erde“. Das nächste Erdbeben und der nächste Vulkanausbruch kommen bestimmt.
Glückauf!
Harald G. Dill
Anmerkung der Redaktion: Professor Dill legte 1969 sein Abitur am Schiller-Gymnasium Hof ab.