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Gemüse für die Widerspenstige

Die Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums begeistert mit der Adaption einer Skakespeare-Komödie. Auf der Bühne überschlagen sich die Ereignisse. Von Christine Wild

Reife Schauspieler-Leistung: Anna-Lena Beyer als Bianca (links) und Nina Fränkel als Witwe. Foto: Spörl

Hof - "Sie ist vielleicht ein bisschen emotional", werben die beiden Kellner Hortensio (Jan Klein) und Gremio (Adrian Forst) für die ältere Tochter ihres Arbeitgebers, des Gastwirts Baptista. Sie wollen Petruccio sowohl als Aushilfskellner als auch als Liebeswerber um Katharina gewinnen - aber keine Sorge: "Eine Verlobung reicht!" Denn erst, wenn die ältere Tochter an den Mann gebracht ist, gibt der konservative Süditaliener Baptista (Philipp Forst) auch seine zweite Tochter frei, die umschwärmte Bianca. Petruccio zweifelt - was muss das für eine Frau sein, die er für Geld umwerben soll? "Ihr Name ist Katharina Baptista - und sie ist grauenvoll!", platzt es aus Biancas drittem Verehrer, dem reichen Fabrikantensohn Lucentio (Anthony Isaak) heraus.
Und von da an überschlagen sich die Ereignisse auf der Bühne des vollbesetzten großen Hauses im Theater Hof, das am Dienstagabend die Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums Hof für seine alljährliche Theateraufführung nutzt. "Die Widerspenstige", eine moderne Adaption der Shakespear'schen Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung", steht auf dem Programm - und es darf viel gelacht werden, nicht zuletzt über die treffsicheren Dialoge, mit denen Autor Christoph Eckert das Bühnenpersonal ausgestattet hat.
Dabei spart er kein Klischee aus: In Baptistas Ristorante mit vom Reiseführer gepriesenem Meerblick serviert man den Touristen natürlich den billigen Wein, kassiert aber teuer ab. Eine echte Lachnummer ist die typisch deutsche Touristen-Familie (André Hillmann, Sabrina Hahn und Katharina Grenz), die, ausgestattet mit Kamera und Sonnenbrillen, pflichtgemäß das Panorama und die zweifelhafte Küche genießt - und völlig unbeirrbar auf ihren "Gnotschis" beharrt, obwohl Petruccio beteuert, dass die Kartoffelnudeln "Gnocchi" heißen. Doch Vater Horst lässt sich nicht beirren: "Nicht, wenn darauf ein Vokal folgt!"
Während parallel die beiden Kellner nebst Lucentio um die eitle Bianca (Anna-Lena Beyer) buhlen, findet Petruccio doch langsam Gefallen an Katharina und überrascht sie mit einem Strauß Sonnenblumen - ungünstig nur, dass er ihn aus ihrem eigenen Garten gepflückt hat. Auf seinem Rückzug fährt Katharina (Katja Hofmann) ihn an: "Du übergibst das Gemüse und dann gehst Du einfach? So geht das nicht!"
Bis zum Happy-End gilt es noch einige Hürden zu nehmen: Schon allein an seiner resoluten Mutter (Laura Forst), die das Verlobungsgeplänkel wie eine Furie stört, kommen Petruccio und Katharina nicht vorbei. Da sind noch eine dem Vino zugeneigte Witwe (Nina Fränkel) und Katharinas Mutter (Linda Gemeinhardt), die mit Lebensweisheiten nicht sparen - und Anne Gradl als Liebesgöttin Aphrodita, die das Geschehen von ihrem Sockel aus beobachtet. Am Schluss schickt Regisseurin Heike Zimmermann das widerspenstige Paar nochmals auf die Bühne und lässt es gemeinsam der süditalienischen Familienidylle entfliehen, bevor Beifallsstürme über die engagierte Truppe hereinbrechen.

Erschienen am 20. Juli 2012 in der FRANKENPOST

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