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HOF – Dieser Abend im Theater Hof war in dreifacher Hinsicht spannend: Der Zuschauer wollte wissen, welches der vier Gifte im Cognac-Schwenker den Industriellen nun wirklich umgebracht hatte, ob die leicht vertrottelten Vertreter der Freunde und Helfer die wahren Mörder fassen würden, und ob die Vorstellung wirklich – wie von Regisseurin Heike Zimmermann fest versprochen – rechtzeitig vor Beginn des WM-Halbfinales beendet sein würde.
Im Jahr 1996 öffnete Theater-Intendant Uwe Drechsel sein Haus den Schulen, und seitdem nehmen die Theaterbegeisterten des Schiller-Gymnasiums mit ihrer Spielleiterin regelmäßig die Gelegenheit wahr, nicht nur auf der großen Bühne zu spielen, sondern auch die Technik (Beleuchtung, Ton) und das Bühnenbild sowie die Tipps der Profis vor Ort zu nutzen.
So diente eine Wand aus „Die lustigen Nibelungen“ etwa heuer als Wand für das Büro von Albrecht Greifenbrecht alias Anica Willmann, die die meiste Zeit des Stückes „die Leiche“ war.
Greifenbrecht, den cholerischen Chef, pingeligen Partner, „widerlichen“ Ehemann, knauserigen Vater und geizigen Bruder wollen sie alle umbringen: die „Gewitterziege“, seine Ehefrau (Ines Muck), die Tochter (Julia Drechsel), dieser „kleine Parasit“, seine abgebrannte Schwester (Christina Heinz), der bankrotte Kompagnon (Jana Gilch) und die diebische Buchhalterin (Miriam Hiltner). Und zu diesem Zweck wird ein buchstäblich atemberaubender Gift-Cocktail gemixt aus Zyankali, Schlaftabletten, Rattengift und Erdbeerkonzentrat, das den hochgradig allergischen Mann auf jeden Fall um die Ecke bringt. Einzig die heimlich in den Chef verliebte Sekretärin (Ann-Kathrin Heierth) und der in sich ruhende Hausmeister Moosgruber (sehr komisch: Daniel Fischer) wollen Greifenbrecht nicht an den Kragen.
Letzterer ist es auch der, sehr zu seinem Leidwesen, die Leiche findet – das erste Mal, und das zweite Mal, denn die Mörder lassen den Toten unabhängig voneinander immer wieder verschwinden; einmal muss sogar Schulleiter Fritz Walther aus dem Publikum aushelfen und die Leiche in einer Kiste verstauen. Moosgrubers ordnungsgemäße Meldung bei der Polizei macht ihn jedoch selbst verdächtig, weil die Leiche jedes Mal, wenn die Inspektorin Irre (Johanna Schrögel) und ihre Assistentin Denkste (Victoria Vassileva) die Tat aufnehmen wollen, verschwunden ist. Erst als die Sekretärin den Toten zum dritten Mal findet, glaubt die Polizei an einen Fall – und verdächtigt die Sekretärin.
Erfreulich kurz, sehr witzig und flüssig löst sich der Mordfall sozusagen von selbst, denn die fünf verschiedenen Mörder können nicht mit ansehen, wie zwei Unschuldige verdächtigt werden und gestehen. So waren schließlich Zuschauer wie Darsteller am Dienstag pünktlich zum Anstoß Deutschland – Italien zu Hause. Inspektorin Irre und ihre Assistentin Denkste allerdings waren sichtlich geschafft und sprachlos angesichts so vieler Geständnisse. Und der Industrielle Greifenbrecht, das erbrachte schließlich die Obduktion, war weder an Zyankali noch an Erdbeerkonzentrat gestorben, sondern „ganz natürlich“ infolge eines Herzinfarktes.
KERSTIN STARKE
FRANKENPOST 06.07.2006