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Die Jungfrau von Orléans

"SCHILLER" SPIELT SCHILLER / Wer ist Frankreichs Feind?

Hof - Johanna siegt, Johanna wird vom Dauphin geehrt. Das Hirtenmädchen steigt auf zu Frankreichs schillernder Lichtgestalt. Johanna wird von den Engländern gefangen genommen, sie wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Friedrich Schillers Werk "Die Jungfrau von Orléans" - so wie es den Besuchern im Theater Hof von Schülern des Schiller-Gymnasiums am Dienstagabend vorgespielt worden ist - im Schnelldurchlauf. Eingespielte Musik als einziges akustisches Mittel, wechselndes Licht als alleiniger Gestalter des Bühnenbildes.

Beim Schnelldurchlauf sollte es allerdings nicht bleiben: Der Grundkurs Dramatisches Gestalten und das Schulspiel des Schiller-Gymnasiums präsentierten das mehrfach verfilmte Heldinnen-Epos aus der Zeit des Hundertjährigen Krieges in seiner ganzen Länge. Selbst Rastalocken und Skaterschuhe verdarben nicht die Authentizität der Soldaten, Generale und Politiker des mittleren 15. Jahrhunderts - die gehobene Sprache des großen deutschen Dichters und die mimische und gestische Umsetzung von Mono- und Dialogen der Dramaturgen schafften Glaubwürdigkeit.

Verlassen, verraten, von Feindesbrut versucht, sieht sich Karl VII., Dauphin und später König von Frankreich. Zu Recht, hat sich doch der Herzog des zentralfranzösischen Teilreichs Burgund auf die Seite des Gegners geschlagen - die Truppen Heinrichs V. von England haben große Teile des Landes erobert, auch über den Dächern von Paris wehen die Flaggen des goldenen Löwen auf rotem Grund.

Goldene Lilien auf blauem Grund zeichneten bei der Aufführung des Schulspiels Franken und Burgunder als solche aus. Blau gegen Rot: leicht nachzuvollziehen. Der Dauphin auf Seiten Johannas, seiner größten Heldin: einfach zu verstehen.

Doch Burgund verbündet sich wieder mit dem französischen Bruder, der Dauphin sieht tatenlos zu, wie Johanna von den Engländern gefangen genommen und als Hexe verbrannt wird. "Wer ist wirklich der Feind?". fragen sich die Generale - besser gesagt, die Generalinnen: Männliche Darsteller waren auf der Bühne klar in der Unterzahl, kurze Haare suchte man vergebens. Kurz war auch das aufgeführte Werk nicht, in den langen Dialogen der Hauptdarsteller schlichen sich nur selten Sprech- oder Einsatzfehler.

Wenig körperliche Aktion, eher verbale forderten die Aufmerksamkeit der vielen Zuschauer: Politik - auch schon im 15. Jahrhundert. CHRISTOPH PLASS

FRANKENPOST 14.07.2005


 

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