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Der Bürger als Edelmann

Komödie wider den Schein/ Theatergruppe zeigt eine beachtliche Molière-Bearbeitung

Hof - Spielfreude und Spielwitz zeichneten wieder die Aufführung der Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums im Theater Hof aus. Diesmal wurde "Der Bürger als Edelmann", frei nach Molière zu einer Boulevardkomödie in Jugendsprache umgeschrieben gezeigt. Die Regie lag, wie seit 14 Jahren, in den bewährten Händen von Heike Zimmermann, die die aufwändigen Kostüme aus dem Theaterfundus übernommen oder selbst gefertigt hatte. Als Bühnenbild durften die Akteure Dekorationen aus dem aktuellen Stück "Happy" nutzen, für Licht und Ton zeichneten Mitarbeiter des Theaters Hof verantwortlich.

Angelehnt an Molières Ballettkomödie traten bei der Schulaufführung ebenfalls Tänzerinnen und vier "Musikschüler" mit einer Serenade, einem Schäferlied, einem Trinklied und der kritischen Betrachtung "Mancher möchte gern größer sein" an den Bühnenrand. Von einem Spot ins rechte Licht gesetzt sprach von dort aus auch der etwas blasierte Philosophielehrer, gut erfasst von Christian Weidner, den Prolog und den Epilog, der das Gleichnis von einem Frosch brachte, "der sich aufbläst, bis er platzt.

Dass "mehr scheinen wollen als sein" letztendlich nicht gut endet, bewies dann die Geschichte, bei der einem der arme, geltungssüchtige Jourdain, der jede Schmeichelei teuer mit Geld entlohnt, fast leid tun konnte. So eifern zu Beginn ein Musik-, ein Tanz-, ein Fecht- und ein Philosophielehrer um die Gunst des Mannes, der auf seine alten Tage noch all das lernen möchte, was ihn, den Neureichen, zu einem Edelmann machen kann. Ihre Hintergedanken: "Wir melken die Kuh, solange sie Milch gibt." als Jourdain, in dessen Rolle Daniel Fischer sehr glaubhaft wirkte, sich ein Prachtgewand schneidern lässt, in dem er aussieht "wie ein Teppich mit Hut", macht er sich vollends zum Gespött von Ehefrau und Dienerin.

Diese beiden, gut besetzt mit Ines Muck und Johanna Schrögel, werfen sich nicht nur verschwörerische Blicke zu, sondern auch gekonnt die Pointen ihrer Dialoge. Aufgebracht, aber machtlos, müssen sie mit ansehen, wie Jourdain sich von dem heuchlerischen Dorante das Geld aus der Tasche ziehen lässt, weil er sich den Adligen zum Schwiegersohn wünscht. Ihre Einmischungen werden von Jourdain völlig unvornehm mit "Schnauze, Liebchen", im Keim erstickt, da er die Kontakte seines Protegés nutzen will, um der Marquise Dorimène den Hof zu machen.

Im Verlauf einer Soirée, bei der es den Gästen "mit Musik und Ballett an nichts fehlen soll", wird seinem Ansinnen von Gattin, Tochter und Dienstmädchen ein jähes Ende gesetzt. Dorante, von Stefan Timm standesbewusst wiedergegeben, und Dorimène, die Patricia Schwach elegant und ein bisschen lasziv verkörpert, verlassen als Paar empört die Feier.

Auch in einem weiteren Punkt geht die Rechnung des Hausherrn nicht auf. Da er den Liebhaber seiner Tochter, Cléonte, als Schwiegersohn nicht akzeptieren will, verfällt dessen Diener und Liebhaber Nicoles, Covielle, auf einen Trick. Er spielt dem eitlen Jourdain vor, der Sohn des Sultans sei in der Stadt und möchte seine Tochter zur Sultanine" machen.

In einer "Mamamutschi-Zeremonie" wird der naive Möchtegern-Edelmann zum Ehrenmufti ernannt. Er fühlt sich geschmeichelt von einer Ehre, die nur Schein ist, und auch obwohl ihn seine Dienerin respektlos als "orientalischen Buntspecht" bezeichnet. Es gibt einen lautstarken Streit, bei dem sich die Tochter, passend frech und aufmüpfig dargestellt von Marie-Christine Merdan, weigert, den angeblichen Sohn des Sultans zu heiraten. Das beachtliche komödiantische Talent von Andreas Jahn als Covielle und der Herzschmerz des liebeskranken Cléonte, gut vermittelt von Benedikt Gradel, veranlassten die Zuschauer auch in dieser Szene zu mehrfachem Applaus. Trotz Irrungen und Wirrungen finden so drei Paare zueinander und alles scheint wieder im Lot. Mit nicht enden wollendem Beifall dankten die Fans den engagierten Darstellern. WALTRAUD ERTEL

FRANKENPOST 09.07.2004

 

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