[schiller-gymnasium hof]
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Studienfahrt nach Rom 2009

"Alle Wege führen nach Rom." Diesem Leitsatz getreu begaben sich am frühen Morgen des 23.07.2009, genauer gesagt um 04:00 Uhr, 37 Kollegiaten der K12 des Hofer Schiller-Gymnasiums unter der Leitung des erfahrenen römischen Legionärs Gotthard Haushofer sowie Michaela Berner-Sebalds, welche, wie wir Schüler, das erste Mal die ewige Stadt besuchen sollte, auf den Weg nach Rom. Abgerundet wurde die römische Reisegruppe durch unseren unerschrockenen Busfahrer Igor, welcher sein Können im vollkommenen Chaos des italienischen Verkehrs, der des Öfteren Straßenschlachten glich, nicht nur einmal unter Beweis stellen sollte, konnte und vor allem musste!

Genau eben jenes angesprochene Chaos konnten wir bereits unmittelbar nach unserer Ankunft begutachten. Dieser ging eine 17-stündige Busfahrt voraus, welche oftmals nicht nur auf Gemüt und Stimmung schlug, sondern gleichzeitig den Besuch einer Sauna oder ähnlichen Einrichtungen unnötig machte ...
Zurück zum angesprochenen Chaos, jedoch vorher eine kurze Erklärung: In Italien nimmt man es nicht nur nicht so ernst mit den uns so vertrauten Verkehrsregeln, nein, man igonoriert sie schlichtweg! Mitten in Kreuzungen parkende Autos, geisterfahrende Taxis, rasende Zweiräder sowie das Ignorieren von roten Ampeln oder Vorfahrtsrechten ist völlig normal!
Dieses Verhalten wurde uns gleich nach unserer Ankunft ersichtlich, so war es einer einparkenden Frau völlig gleichgültig, dass sie der vollbesetzte Bus dabei beobachtete, wie sie das vor ihr stehende Auto nicht nur leicht berührte, sondern dessen hintere Stoßstange praktisch vollkommen verbeulte - ein kurzes Schulterzucken und schon war sie verschwunden. Dieserart Beobachtungen sollten uns in unserer Woche in Rom noch des Öfteren geboten werden. Praktisch alle italienischen Autos tragen Spuren gekonnten Einparkens ...
Interessant war jedoch, dass immer wieder große, schwarze Autos mit verdunkelten Scheiben zu sehen waren, deren Lack völlig makellos war - weitere Begegnungen mit dieser Art Organisation gab es jedoch nicht - zur großen Enttäuschung einiger Mitgereister, welche geplant hatten, ihren persönlichen Waffenvorrat etwas aufstocken zu können ... ;-)

Als wir dann unsere Unterkunft erreicht hatten, wartete bereits der nächste Schock: nicht aufgrund der Tatsache, dass wir vergessen hatten zu buchen oder Ähnliches; nein, vielmehr die Bestürzung, dass wir eben jenes Quartier gebucht hatten - es bot sich uns von außen ein ziemlich katastrophaler Anblick, denn die Villa S.Cecilia sah mehr als nur heruntergekommen aus! Komplettiert wurde das Debakel durch das Hängenbleiben unseres Buses in der Kiesauffahrt der Villa, was aber schließlich durch Schaufeln, Bretter und fachmännisches Wissen behoben wurde!
Doch zurück zu unserem Quartier! Nach dem Betreten des Hotels war uns jedoch klar, dass in Italien wohl auch vor allem die inneren Werte zählen! ;-) Der Eingangsbereich und die Lobby gaben uns Grund zur Hoffnung, bis wir die Zimmer erreichten - einige wenige hatten mit ihrem zugewiesenen Schlafplatz verhältnismäßig Glück; der Rest musste mit abbröckelnden, lebensgefährlichen Balkonböden, verstopften Abflüssen, viel zu kleinen Zimmern, Insektenbefall und Ähnlichem kämpfen! Jedoch nur die erste Nacht, denn nach Rücksprache mit dem meistens hilfsbereiten und freundlichem Hotelpersonal war es möglich, den meisten Betroffenen neuere, renovierte Zimmer zuzuweisen, was die Stimmung einiger Mitreisender extrem verbesserte! ;-)

Spricht man von der Unterkunft, darf das Essen natürlich nicht außer Acht gelassen werden! Aus praktischen Gründen hatten wir Halb-Pension gebucht, d.h. Frühstück und je nach Wahl Mittag- bzw. Abendessen. Das Frühstück wurde allgemein als nicht ausreichend empfunden, was vor allem auch an der etwas gewöhnungsbedürftigen Art der Backweise der sogenannten italienischen Brötchen liege könnte! ;-)
Bei der zweiten Tagesmahlzeit gab es vor allem aus dem weiblichen Lager immer wieder Anlass zur Kritik: Das Fleisch sei zu fett, das Fleisch sei zu mager, das Fleisch sei falsch zubereitet, die Nudeln seien zu hart, der Salat sei eigentlich Obst ... ;-)
Trotz aller Kritik und Ressentiments fiel keine unserer weiblichen Begleitungen vom Fleisch; eine positive Folge dieses Widersetzens war die bessere Sättigung des männlichen Teils der Gruppe - grazie ragazze!
Die dritte Mahlzeit des Tages wurde immer in Form von Pizza oder Pasta in italienischen Restaurants zu sich genommen. Diese wurden des Öfteren von Straßenmusikern oder hektischen, überforderten Kellnern geprägt. Lustig und erheiternd war ebenfalls das Bestellen eines mehrgängigen Spezial-Menüs durch sogenannte 'Italienkenner', jedoch nur um dann festzustellen, dass die Hauptspeise schlicht und ergreifend ein deutsches Schnitzel mit Pommes war!

Nun soll der aussichtslose (aufgrund der Unmenge) Versuch erfolgen, dass von uns Besichtigte, Gesehene und Erlebte unserer römischen Woche einigermaßen vollständig darzulegen; die Chronologie ist aufgrund des beschränkten Horizonts des Verfassers nicht gewährleistet!

Das 'Colosseo' bildete den Anfang unserer Reise durch die Jahrtausende alte Welt des antiken Roms - und gleichzeitig unseren ersten richtigen Kontakt mit der italienischen Bevölkerung. Sofort [;-)] fiel einigen von uns, vorwiegend Teilnehmern männlichen Geschlechts, der wohlbekannte Ausspruch des alten Ovids "So viele Sterne der Himmel, so viele Mädchen hat dein Rom" ein - ein Satz, der sich in der folgenden Woche immer wieder bewahrheiten sollte ...; jedoch wurde die Anweisung, sich in sämtlicher Hinsicht immer nur innerhalb der Gruppe zu orientieren, strengstens befolgt!
Es folgten die Maxentiusbasilika, das Forum Romanum mit dem Tempel des Antoninus Pius und der Faustina sowie dem Titusbogen, der Circus Maximus, der Vierströmebrunnen, der Trevibrunnen, das italienische Nationaldenkmal, die Kapitolinische Wölfin, einen Teil der Katakomben von Rom, die Vatikanischen Museen, die Sixtinische Kapelle, der Pantheon, das römische Ghetto, welches für einige überraschenderweise nicht einem Elendsviertel entsprach, sondern lediglich die Bezeichnung für den ehemaligen jüdischen Wohnbezirk war. An dieser Stelle müsste noch eine Vielzahl von 'erlebten' Bauwerken aufgeführt werden, was aber aufgrund der unglaublichen Vielzahl hintenangestellt wird.

Die Besichtigung einer Vielzahl von Kirchen war ein weiterer fest verankerter Programmpunkt; zu den eindrucksvollsten gehörten Lateran, St. Paul vor den Toren und natürlich St. Peter, dessen Eingangshalle allein in ihren Ausmaßen wohl die Hofer Michaeliskirche in den Schatten stellt. Hier hatte eine kleine Gruppe das Privileg, die Ausgrabungen unter St. Peter besichtigen zu dürfen, wo sich, nach Angaben und Aussagen der katholischen Kirche, das Grab des Petrus befindet bzw. befände. Auch der Ausblick über Rom von der Kuppel des Petersdoms aus bleibt wohl ein unvergessliches Erlebnis. Zum Leidwesen eines gewissen Gotthards H. war es uns jedoch nicht vergönnt, alle eingeplanten Kirchen zu besichtigen - uns fehlten genau zwei! Schrecklich bestürzt über dieses furchtbare Entbehren, dieses Verpassen architektonischer Meisterleistungen sowie dieses Nicht-Erleben katholischer Dekadenz und Geldverschwenderei kam unser Mentor dann schließlich doch zu dem Schluss, wohl auch durch die Aussicht der anstehenden Pension bedingt, dass es sich eben doch um 'eine Studienfahrt mit Schülern und nicht um eine Pilgerreise' handelte!

Ein weiteres Highlight des aus allen Nähten platzenden Programms war die Besichtigung der durch einen Vulkanausbruch zerstörten Stadt Pompeij - dies war nicht nur aufgrund unseres sehr netten und lustigen italienischen Führers ein sehr aufschlussreiches Erlebnis. So blieben wohl vielen von uns die sehr markanten, als Wegweiser verwendeten erigierten männlichen Glieder in Erinnerung; ebenfalls machte Pompeij die Besichtigung eines antiken, jedoch sehr gut erhaltenen Bordells möglich. Hier galt, wie bei fast allen besichtigten Bauwerken, für Hobbyphotografen der Leitsatz 'No flash', welchen wir in unserer römischen Woche noch des Öfteren hören sollten!
Nach einem kurzfristigen, spontan abgehaltenen Mittagsimbiss in einem Schweizer Hotel ging es weiter in Richtung Krater des Vesuvs - und es war abermals für unseren Busfahrer Igor an der Zeit, sein fahrerisches Können unter Beweis zu stellen, was er wie immer mit Bravour meisterte. Nachdem wir den letzten, unbefahrbaren Weg zu Fuß zurückgelegt hatten, bot sich uns ein atemberaubender Blick auf die Insel Capri, über den Golf von Neapel und natürlich auf den Krater des Vesuvs - einige waren jedoch enttäuscht, denn Lawafontänen waren weit und breit nicht auszumachen ... ;-)
An diesem Tag schloss sich ebenfalls noch unser zweiter Strandbesuch an, diesmal in Sabaudia. Das erste Mal besuchte eine kleine Gruppe das Meer bei Ostia, wurde dort jedoch durch scharfkantige Stein- und Muschelbänke von weiteren Besuchen abgehalten. Sabaudia war ein Geheimtipp unseres erfahrenen Fremdenführers Gotthard Haushofer - und er hatte vollkommen recht. Sabaudia stelle sich als fantastischer Strand, als geniale Möglichkeit zum Baden sowie als unübertrefflich zum Sonnenbaden heraus. Uns allen, auch unseren beiden Lehrern, gefiel es dort so gut, dass beschlossen wurde, einen weiteren Besuch durchzuführen, der sich über einen gesamten Nachmittag, den anschließenden Abend und zusätzlichem Erleben des Sonnenuntergangs am Meer erstreckte. Ein unbeschreibliches Erlebnis und Entgegenkommen, für welches an dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank in Richtung der kooperativen Lehrkräfte erfolgen soll!

Der Besuch der spanischen Treppe blieb und bleibt ebenfalls in guter Erinnerung; hier ist das pulsierende Nachtleben Roms zu spüren und mitzuerleben. Es wimmelt von alles verkaufenden, aufdringlichen, nicht abzuwimmelnden Händlern, die blinkende Sonnenbrillen, überteuertes Bier oder Rosen an den Mann bzw. Frau [;-)] bringen wollen und dies des Öfteren auch schaffen. Mit ihren Augäpfeln seltsame Dinge veranstaltende Afrikaner und eine Vielzahl von 'belle ragazze' waren weitere Attraktionen, welche die Spanische Treppe so reizvoll und anziehend machten! Leider war es uns nicht vergönnt, diese Attraktion mehr als einmal zu besuchen, da dies der knappe Zeitplan einfach nicht zuließ.
Ebenfalls nennenswert war der Besuch des Naturalienmarktes, dessen Händler wohl noch nie etwas von EU-Gesundheitsvorschriften oder dergleichen gehört hatten - dennoch hatte es auch etwas Erfüllendes an sich, frisch halbierte Schweine zu sehen, welche in Einkaufswagen durch die Markthalle gefahren wurden ...

Die Abende wurden allgemein mehr oder minder zusammen im Bereich der Hotellobby verbracht - alles natürlich unter der Leitung und Aufsicht Frau Berner-Sebalds, die immer darum bemüht war, möglichst alle in Gitarrenspiel, diverse Gesprächsrunden oder das Erlernen türkischer Standardtänze mit einzubeziehen! Gleichzeitig erfuhr der Alkoholkonsum der Schüler durch ihre Präsenz eine starke Reglementierung!

Vielen, vielen ernstgemeinten und ehrlichen Dank für Ihre nette, offene und freundschaftliche Art Frau Berner-Sebald!!!

Auch wenn es fast allen ein unangenehmer Gedanke war und zunächst im Hinterkopf bergraben wurde, irgendwann musste man sich mit dem Umstand der Abreise und der Heimkehr wohl oder übel anfreunden bzw. auseinandersetzen. Folglich checkten wir am Morgen des 29.07.2009 aus der Villa S.Cecilia mit wohl mehr weinenden als lachenden Augen aus - doch bot sich uns an diesem Tag nochmal ein Highlight der Studienfahrt: Spanferkelessen in Frascati, einer Weinstadt etwas außerhalb von Rom - eben das Genießen guter, italienischer Hausmannskost. Das Positive war, dass man in dem von uns besuchten Gasthaus nach dem Prinzip 'All you can eat & drink' vorging - und zu trinken gab es natürlich Wein, in praktisch unbegrenzter Menge. Da dies alles am frühen Nachmittag erfolgte (bei höchsten Temperaturen!) machte sich der konsumierte Alkohol, nicht nur bei Schülern, schnell bemerkbar. Jedoch gab es hier, wie auch während der ganzen Fahrt, keine durch Alkoholkonsum bedingten Ausfälle. Eine angeheiterte Stimmung herrschte an diesem Tag dennoch und so wurde zum Unbehagen einiger weniger Mitschüler während der letzten U-Bahn-Fahrt in Rom das ein oder andere Lied gegröhlt - ganz zum Spaß der mitfahrenden Italiener!
Auch die beiden studierten Germanisten unter uns waren, zumindest ihren Gesichtausdrücken nach zu urteilen, doch etwas melancholisch und hatten sicherlich den Satz "Eine Welt zwar bist du, o Rom, doch ohne die Liebe wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom" aus Goethes römischen Elegien im Hinterkopf .... ;-)

Gegen 17:45 Uhr hieß es dann Abschied nehmen von Rom, der ewigen Stadt, und wir mussten die Heimreise antreten. Da der versprochene McDonalds völlig überraschend nicht existierte, musste das Abendessen notdürftigerweise aus Chips, Gummibärchen und alten Milchbrötchen gewonnen werden. Da wir nachts fuhren, hat wohl die Mehrheit den größten Teil der Heimfahrt schlafend verbracht. Als wir am nächsten Morgen in irgendeinem bayerischen McDonalds dann schließlich frühstückten, merkten wir an der Freundlichkeit der Bedienungen [*hüstel*], dass wir wieder heimischen Boden unter den Füßen hatten. Daraufhin dauerte es auch nicht mehr lange, bis wir am Morgen des 30.07 um ca. 10:00 Uhr alle wohlbehalten auf dem Hofer Theaterparkplatz ankamen - das Ende einer genialen und unvergleichbaren Studienfahrt und gleichzeitig das Ende einer Ära, nämlich der beruflichen Laufbahn Gotthard Haushofers, der am darauffolgenden Tag in seinen wohlverdienten Ruhestand eintrat. Ihm und Frau Michaela Berner-Sebald gebührt der Dank, eine schlichtweg unvergessliche und wunderschöne Studienfahrt erlebt zu haben, die wohl bei keinem, über kurz oder lang, in Vergessenheit geraten kann noch wird!!!

Jonas Strunz (ehemalige K12)

 

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