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Schulgeschichte(n) zum Geburtstag

Jubiläum

Von der Volksschule zum größten Hofer Gymnasium, Schiller-Schulhaus ist 100 Jahre alt

Hof – Als am 12. Oktober 1905 bei 1,5 Grad Celsius die ersten Spatenstiche für einen Schulhausneubau auf der Kugelwiese im künftigen Hofer „Westend“ getätigt wurde, konnten sich nur die wenigsten vorstellen, wie imposant das Bauwerk einmal werden wird. Bei der Einweihung im Jahr 1907 zeigte es sich in bestechender Schönheit, gespickt mit Jugendstil-Elementen, errichtet in „Hufeisenform im Münchner Bürgerstil“ und mit elektrischer Beleuchtung in den zwei Zeichensälen und anderen Finessen aufs modernste ausgestattet, wie ein zeitgenössischer Zeitungsbericht lobte.
Dass es 100 Jahre und zwei Generalsanierungen nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat, lobten dann auch die Festredner beim Festakt am Samstag. Schulleiter Rainer Schmidt vom Schiller-Gymnasium hatte zum Festakt zahlreiche Gäste begrüßt. „Gutes hat Bestand“, sagte der „Hausherr“ und versicherte, dass Stadtbaurat Albert Mollweide mit dem Schiller-Gymnasium genauso einen Identifikationsort für die Hoferinnen und Hofer geschaffen hatte wie zuvor mit dem Haus Theresienstein.
Das Gebäude sei so alt wie das Hotel „Adlon“ in Berlin oder das Kaufhaus „KaDeWe“, betonte Schmidt nicht ohne Stolz. Durch die vorbildliche Renovierung habe sich „das Schiller“ von der grauen Maus zur Schiller-Diva gewandelt.
Die Schule sei gebaut worden, weil im damaligen neuen Westend-Viertel eine Volksschule nötig geworden war. Die schnellwachsende Industriestadt Hof hatte Bedarf an einer neuen Schule. Schon im ersten Jahr wurden 1655 Schülerinnen und Schüler in dem neuen Gebäude unterrichtet, schnell herrschte hier wieder drangvolle Enge. Die Klassenstärken der Anfangsjahre lagen zwischen 42 und 72 Schülern, manchmal sogar bis zu 100 Schülern. Als normal galt damals die Stärke von 60 Schülern pro Klasse, führte Rainer Schmidt aus.
Heute drücken 1420 Schülerinnen und Schüler im Schiller-Gymnasium die Schulbank, allerdings verteilt aufs Hauptgebäude und die Filiale im Altstädter Schulhaus. Durchschnittliche Klassenstärken haben nun 29 Schüler.
„Das Schiller-Schulhaus dürfen wir mit Fug und Recht zu den guten Bauwerken unserer Stadt zählen“, betonte auch Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner. Es sei prägend für den Stadtteil Westend geworden und erst kürzlich im Integrierten Stadtentwicklungskonzept von den Fachleuten in seiner Schönheit erst wieder entdeckt und gerühmt. „Noch viel mehr prägend war dieses Haus aber für die ungezählten Schülerinnen und Schüler, die hier etwas Gescheites gelernt haben“, sagte der ehemalige „Schillerianer“ Fichtner.
Im Schulhaus ist schon lange keine Volksschule mehr untergebracht. Auch die Zeiten von stationierten Bataillons oder alter Oberrealschule sind passé. Über dem Haupteingang steht längst nicht mehr der Spruch „Es ist noch kein Gelehrter vom Himmel gefallen“, es gibt schon lange keine separaten Eingänge für Knaben und Mädchen mehr, doch ist die Geschichte überall spürbar. So war für den heutigen Schulleiter Rainer Schmidt klar: „Ein großes Schulhaus, wie unsere Schiller-Schule, ist natürlich nicht nur eine Städte der Wissensvermittlung, sondern naturgemäß auch eine riesige Begegnungsstätte, mit vielen positiven und manchmal auch negativen sozialen Kontakten. Weit mehr als 100 000 Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen 100 Jahren einen großen Teil ihrer Schulzeit verbracht und in diesem Gebäude prägende Erlebnisse erfahren.“
Was ist aber eine Schule ohne Schüler, ehemalige und jetzige? Studiendirektor Reinhard Lang führte mit einer Bildershow durch die Schulgeschichte, und die Schüler des Blasorchesters brachten den Schiller-Marsch in „Welturaufführung“. Schülerinnen unterhielten das Publikum mit einer Tanzeinlage, und Kunsterzieherin Katrin Buchzik fand den passenden Abschluss: Sie eröffnete die Ausstellung „100 Jahre Schiller – 100 Jahre Kunst“ und dankte allen Mitwirkenden für ihr Engagement. „Das alles wäre nicht möglich, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht mit Freude dabei sind.“
Beim Tag der offenen Tür traf sich an diesem Samstag die Schiller-Familie: Lehrer und Schüler aller Generationen kamen in „ihr“ Schulhaus, nahmen an Führungen teil, sahen sich an, wie Schule vor 100 Jahren funktionierte und trafen sich im Erzähl-Café. Dabei zeigte sich: Ein altes Schulhaus ist gut für viele Geschichten. Schulgeschichten, individuell und immer Erinnerungen fürs Leben. K. D.

Erschienen am 15.10.2007 im HOFER ANZEIGER

 

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