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Beständigkeit in blankem Blech

Rekkenze Brass | Das bekannteste Blechbläserensemble der Saalestadt feiert seinen 30. Geburtstag mit 600 Zuhörern und einigen musikalischen Gästen in der Veranstaltungshalle des Hofer Möbelhauses Biller.

Hof – Der Einmarsch ist der altbekannte. Ein Einschlendern ist‘s vielmehr, ein gemächliches Spazieren vor die Zuhörerfront, ein erstes Austesten und -kosten von Stimmung und Stimmigkeit – mit „Swing Wheel“, so, wie die Fans das kennen. Letztere sind zahlreich gekommen am Freitagabend in die Veranstaltungshalle des Möbelhauses an den Mühlwiesen in Moschendorf. Die Halle ist voll zu diesem Jubiläumskonzert, vielleicht 600 Gäste hören sich die musikalische Geburtstagsparty von Rekkenze Brass an.
Die Feierlichkeit im Veranstaltungszelt ist weder trockenes Jubiläum noch bierselige Fete – irgendwo dazwischen bewegen sich die gut zwei Stunden, schwanken zwischen ungezwungenem Zusammentreffen und festlicher Huldigung. Das musikalische Innehalten gerät den Künstlern dabei immer wieder zur gefühlsstarken Rückschau.
Vor allem in der ersten Hälfte schwingt ein gutes Stück Sentimentalität mit, wenn die fünf Herren auf der Bühne die Mundstücke an die Lippen setzen oder wenn Posaunist René Jampen zur Ansage das Mikro ergreift. „Schöne Grüße von Debby“, richtet schließlich Trompeter Peter Knudsvig seiner Fangemeinde aus – Hornistin Debra Luttrell konnte nicht, wie er, für das Konzert aus den USA einfliegen. Ersetzt wird sie von einem, der zu den alten Freunden von „Rekkenze“ zählt: Jens Hentschel. Der ehemalige Solo-Hornist der Hofer Symphoniker trägt zwar nicht die selben roten Turnschuhe wie seine Kollegen, spielerisch aber passt er sich vollkommen ein und, vielmehr noch, er geht auf in dem Ensemble.
Klang aus einem Guss
Das gibt sich gewohnt ausgeglichen am Freitag. Denn obschon die Bläser nicht mehr oft gemeinsam musizieren, lassen sie einen Klang durch die Halle fegen, der nicht aus fünf Blechen, sondern aus einem Guss zu kommen scheint. Vom Strauss‘schen „Feierlichen Einzug“ bis Gershwins „I‘ve got a crush on you“ spannen sie den programmatischen Bogen. Sie bauen pompöse Klangglocken auf und holen majestätisch aus auf der Bühne, sie lassen knackig Töne tänzeln und kosten Spannung, Wendung und Begeisterung aus.
Der Witz und der Charme, jene Lockerheit und Leichtigkeit jedoch, für die sie bekannt sind, kommen nur ab und zu durch beim Festkonzert. Recht ernst geben sie sich über lange Strecken, obwohl das Publikum jedes kleine Auftauen gleich hörbar honoriert. Außer sich ist‘s schließlich beim fränkischen Medley: Bei einer quirlig-luftigen Polka oder bei der Frage nach dem Gerchla spielen die fünf nicht nur mit den Harmonien, sondern auch mit den musikalischen Erwartungen des Publikums.
Damit sie nicht alleine feiern müssen, haben sich die Bläser einige Akteure eingeladen: Stadt- und Dekanatskantor Georg Stanek begleitet sie auf einer Lkw-Orgel. Auf ihr bringt er zwar leichtfüßigen Pep in ihr Spiel – etwa bei Tschaikowskis „Wojewoden“ oder bei einer Fanfare mit Benjamin Sebald als Solist –, im Tutti kann er sich aber rein lautstärkemäßig nicht immer durchsetzen.
Die anderen Gäste haben‘s da einfacher: Das Symphonische Blasorchester Hof ist nicht nur numerisch zu einer echten Größe herangewachsen, sondern beeindruckt am Freitag vor allem auch durch sein Spiel. Unter Benjamin Sebald und Wolfgang Mehling trumpfen die jungen Bläser auf mit heldenhaften Hymnen („Where the sun breaks through the mist“), mit einer Rhapsody als achtungsvoller Hommage an ihre Vorbilder auf der Bühne neben ihnen und mit zärtlicher orchestraler Unterlage für Rainer Streits Tuba-Umsetzung von „Gabriels Oboe“. Auch bei James Lasts „Einsamen Hirten“ mit Peter Knudsvig zeigen sie, dass sie auf dem Weg sind. Sie lassen Töne anschwellen, die schließlich, von Kraft und Überzeugung getragen, durchs Publikum schweben – und ebenso jubelnd aufgenommen werden, wie die der Jubilare. Christoph Plass
Erschienen am 22.07.2008 in HOFER ANZEIGER

 

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