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Pressemeldung vom 19. April 2012 im HOFER ANZEIGER
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Foto: Den „Wurschtlama“ haben sie bei der Führung durch die Stadt kennengelernt (von links): Lehrerin Mari Pesonen mit Outi Broman und Laura Niemi
Hof – Bratwurst und Weißwurst haben sie schon probiert, der Test ist positiv ausgefallen: „Es hat gut geschmeckt“, finden Outi und Laura. Nicht so begeistert ist Laura dagegen von den Hofer „Glees“. Und auch dass man zum Frühstück süße Marmelade oder gar Kuchen essen kann, ist für die beiden Mädchen ziemlich ungewohnt. Daheim in Finnland steht bei ihnen Butterbrot und Brei auf dem Tisch.
Zusammenarbeit
Outi Broman und Laura Niemi gehören zu einer Gruppe von 14 Schülern aus Hofs Partnerstadt Joensuu, die eine Woche hier zu Gast ist – ein Gegenbesuch zu einem Aufenthalt einer Hofer Schülergruppe im Frühjahr. Mit dem Austausch, der auf einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnerstädten sowie dem Stadtjugendring und dem Schiller-Gymnasium Hof beruht, soll wieder etwas Schwung in die Partnerschaft kommen.
Vorerst bis 2010 soll ein kontinuierlicher Austausch von Schülern und Studenten organisiert werden. Koordinatoren am Schiller-Gymnasium als Partnerschule sind die Studienräte Martin Weber und Michaela Berner-Sebald.
Die jungen Finnen, die bei Gastfamilien untergebracht sind, werden von ihren Lehrkräften Mari Pesonen und Kalle Hyvärinen begleitet. Neben der Teilnahme am Unterricht haben sie ein abwechslungsreiches Programm erlebt: Ausflüge zum Untreusee, zum Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth und nach Bamberg, eine Brauerei-Besichtigung, eine Stadtführung und einen Empfang durch Bürgermeister Bernd Scherdel im Rathaus.
„Die Stadt ist sehr schön, die Menschen sind sehr nett.“ Die 17-jährige Outi hat dabei viele gute Eindrücke gewonnen. „Neue nette Leute“ hat auch die zwei Jahre jüngere Laura hier kennengelernt, der kleine Unterschiede in den „Sitten und Gebräuchen“ aufgefallen sind. Zum Beispiel der, dass in Deutschland der Geburtstag jährlich gefeiert wird. In Finnland sei das bei Erwachsenen nur üblich, wenn ein „Runder“ anstehe.
Den gravierendsten Unterschied aber haben die beiden Mädchen im Schulsystem ausgemacht. „Merkwürdig“ lautet ihr Urteil über die bayerische Variante, die bereits Zehnjährige in „gute“ und „schlechte“ Schüler auslese. In Finnland, so erläutert Lehrerin Mari Pesonen, besuchten alle Kinder neun Jahre lang die Grundschule, ähnlich einer Gesamtschule. Erst dann folge eine Trennung in Gymnasium oder Berufsschule, die populär sei.
Den Wechsel bereits nach der vierten Klasse zu vollziehen, halten Outi und Laura für viel zu früh. „Für die jungen Schüler selbst ist die Entscheidung, auf welche Schule sie weiter gehen sollen, viel zu schwer“, meint Outi. „Dann treffen sie die Eltern oder Freunde spielen eine Rolle. Das ist nicht gut.“
Die 17-Jährige besucht in Joensuu ein Gymnasium, die Entscheidung dafür hat sie selbst gefällt. „Ich habe immer gewusst, dass ich dorthin gehen würde. Meine Eltern hatten nichts zu sagen“, lächelt sie. Auch Laura, die noch in der letzten Klasse der Grundschule ist, will später aufs Gymnasium.
Dass finnische Schüler beim Pisa-Test am besten abschneiden, führen die beiden Mädchen auf den „sehr guten“ Unterricht und die höhere Lust am Lernen zurück. Ausschlaggebend sei dafür ebenfalls das Schulsystem: „Wer zu früh in eine bestimmte Schulform wie zum Beispiel die Realschule eingeteilt wird, fühlt sich minderwertig und hat keinen Ehrgeiz, bessere Noten zu schreiben.“ Sind alle finnischen Schüler damit automatisch „Streber“? „Nein, nein“, da müssen die beiden lachen. „Es gibt auch welche, die ,null Bock’ auf Schule haben.“
Fremdsprachen
Outi und Laura lernen in Finnland Englisch, Schwedisch und Deutsch im Unterricht. Outi, die deutsche Verwandte hat, kann sich bereits sehr gut ausdrücken. Für Laura dagegen war es schwierig, dem Unterricht am Schiller-Gymnasium zu folgen. „Ich habe nicht alles verstanden“, meint sie.
Besser verstanden hat sich die 15-Jährige dagegen mit ihrer Gastfamilie und anderen Jugendlichen. Zumal es da auch international ähnliche Interessen gibt: „Shopping“, sagt Laura mit leuchtenden Augen, „das hat mir gut gefallen.“ Wenn Outi und Laura heute wieder nach Joensuu fliegen, werden sie eine Vielzahl von interessanten Eindrücken aus Hof mitnehmen.
Beate Franck
Erschienen am 10.10.2008 im HOFER ANZEIGER
Vom 17.– 26.04.2008 durften zwölf Schüler, der 10. und 11. Jahrgangsstufe mit Frau Berner-Sebald und Herrn Weber als Begleitung, in Form eines Schüleraustausches nach Joensuu in Finnland (Nordkarelien) reisen. Nach ca. 15-stündiger Reise mit Bus, Flugzeug und Zug wurden wir von unseren Gastfamilien am Bahnhof empfangen. Auf unserer Zugfahrt von Helsinki nach Joensuu bestaunten wir bereits die unendlich scheinenden Weiten des finnischen Waldes und an unserem Ziel angekommen, lernten wir den finnischen Baustil kennen, der für seine Niedrigbauweise bekannt ist. Die Erklärung hierzu lautete, dass man früher nicht höher bauen wollte, als die Bäume ringsum wuchsen.
In unseren Gastfamilien wurden wir herzlich aufgenommen und, wie sich bald herausstellte, besaß nahezu jede Familie ihre hauseigene Sauna, die auch gerne von einigen von uns in ihrer freien Zeit in Anspruch genommen wurde. Doch wirklich viel freie Zeit hatten wir ja gar nicht, da unsere Lehrer einen straffen Plan mit Besichtigungen aller möglichen Sehenswürdigkeiten für uns zusammengestellt hatten. So wurden wir mit den beiden Schulen Pataluoto und Yhteiskoulun Lukio, sowie dem finnischen Schulsystem und der Stadt Joensuu an sich vertraut. Außerdem besichtigten wir die orthodoxe Kirche in Joensuu, sowie die Berufschule und das Carelicum, in dem wir einiges über die finnische Geschichte erfuhren. An einem anderen Tag machten wir einen Ausflug nach Koli, dem höchsten Berg Südfinnlands mit 347m (Hof liegt bereits 200m darüber!) von dem wir einen wunderschönen Ausblick über die umliegenden Wälder und Seen hatten. In den letzten Tagen waren wir dann noch im „Forstforschungszentrum“ und in der Bibliothek von Joensuu und so langsam aber sicher konnten unsere Köpfe die Flut von Informationen schon gar nicht mehr aufnehmen. Und in dieser Hinsicht war es vielleicht gar nicht so schlecht, als wir dann nach zehn Tagen unsere Koffer wieder packen mussten und der Abschied nahte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Reise in jeder Hinsicht gelungen war. In der Gruppe herrschte eine durchgehend angenehme Atmosphäre und wir erfuhren einiges Interessantes über dieses Land im Norden. Und so freuen wir uns auch schon darauf unsere Austauschpartner im nächsten Herbst in Hof Willkommen zu heißen.
Marlene Richter, damalige 11b