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Seit dem Schuljahr 2008/09 gibt es an unserer Schule Streitschlichter. Dabei handelt es sich um speziell ausgebildete Schüler, die Schülern helfen ihre Konflikte miteinander in einer guten Art und Weise zu lösen.
Die Streitschlichtung ist eine Form der Konfliktlösung, die auf dem Prinzip der Mediation beruht.
Angestrebt wird eine so genannte „Win-Win-Lösung“, bei der keiner der Konfliktgegner als Verlierer herausgeht. Aufgabe der Streitschlichter - auch: „Konfliktlotsen“ genannt - ist es, den Konflikt zunächst auf der Sach-, dann auf der Beziehungsebene zu klären und mit den Streitenden gemeinsam Lösungsvorschläge zu entwickeln.
Die Anforderungen, die an gute Streitschlichter gestellt werden, sind vielfältig. Gute Streitschlichter hören aktiv zu und vermitteln ihrem Gegenüber das Gefühl, ernst genommen zu werden. Sie halten sich in ihrem eigenen Urteil zurück, denn es ist wichtig, dass die Konfliktgegner auf ihre Neutralität zählen können – und auf ihre Verschwiegenheit. An einer Schlichtung sind immer zwei Streitschlichter und zwei Konfliktgegner beteiligt. Was innerhalb des Schlichterzimmers gesagt wird, soll kein Fünfter erfahren, auch keine Lehrkraft. Ein Schlichter sollte weiterhin mit Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen ausgestattet sein, aber auch über ein gewisses Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit verfügen. Nicht zuletzt braucht es die Bereitschaft zu Engagement außerhalb des Unterrichts, denn die Schlichtungen erfolgen in den regulären Schulpausen, auch den Mittagspausen. Zeitintensiv ist vor allem die Ausbildung, die einen zusätzlichen Nachmittagstermin für die Schülerinnen und Schüler bedeutet. Unabhängig vom späteren Einsatz als Schlichter werden durch die Ausbildung soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit geschult.
Selbstverständlich können Streitschlichter nicht zwischen Lehrer(n) und Schüler(n) vermitteln, auch Gruppenkonflikte oder Fälle lang anhaltenden systematischen Mobbings fallen nicht in ihren Aufgabenbereich. Streitschlichter helfen bei konkreten, aktuellen Auseinandersetzungen zwischen zwei Schülern. Hier können sie auch dazu beitragen, den Unterricht zu entlasten, da sie den Kollegen die Möglichkeit eröffnen, die Regelung von Konflikten aus der Unterrichtsstunde auszulagern. Von den Streitenden selbst verlangt der Schlichtungsprozess die Auseinandersetzung nicht nur mit der eigenen Wahrnehmung und Gefühlswelt, sondern auch die mit der des Gegenübers sowie die Bereitschaft zu respektvoller Kommunikation. Insofern kann Streitschlichtung langfristig auch zu einer höheren Konfliktfähigkeit der Schüler allgemein beitragen.
16 Schülerinnen und Schülern konnte Herr OStD Schmidt am 5. Juni 2009 schließlich feierlich die Urkunden, die sie zum Einsatz als Streitschlichter berechtigen, verleihen. Seitdem stehen den Schülerinnen und Schülern des Schiller-Gymnasiums engagierte und motivierte Streitschlichter zur Verfügung.
Seit Beginn dieses Schuljahres werden wieder mehrere Schüler, vor allem aus den sechsten Klassen, zu Streitschlichtern ausgebildet.
Gertraud Pichlmeier
Hof - Kaum sind sie im Amt, so steht den frischgebackenen Streitschlichtern am Hofer Schiller-Gymnasium schon der erste Fall ins Haus. Welches Problem sie aber zu lösen haben, halten sie geheim: "Das ist streng vertraulich", erklärt Fabienne Wöhner, eine der 16 Schüler, die künftig ihren Schulkameraden bei der Konfliktbewältigung beistehen wollen. "Ich denke, unser Haupteinsatzgebiet werden wohl die typischen Jungs-Mädchen-Geschichten sein", schätzt ihre Kollegin Carolin Richter. Oder vielleicht, wenn ein Schüler dem anderen das Federmäppchen wegnimmt.
"Jungs-Mädchen-Geschichten"
Die schweren Mobbing-Fälle dagegen fallen nicht ins Ressort der jungen Schlichter - da ist die Schulleitung gefragt. "Aber ich hoffe, dass unsre neuen Schlichter dazu beitragen, dass sich ein Konflikt gar nicht so weit hochschaukelt", hofft Schulleiter Rainer Schmidt.
Deshalb haben die jungen Streitschlichter auch eine spezielle Ausbildung genossen: Rollenspiele, in denen die Schlichter auch den Part des Aggressors kennen lernen, und Aktionen für einen besseren Zusammenhalt des Teams haben etliche Nachmittage in Anspruch genommen. Stück für Stück haben sich die Schüler außerdem mit "den einzelnen Phasen eines Konflikts" und dessen Lösung befasst.
Ältere Streitschlichter - Fabienne Wöhner und Carolin Richter besuchen die zehnte Klasse - wissen die erworbenen Fähigkeiten zu schätzen, jüngere Kollegen wie Siebtklässler Fabian Schiller freuen sich über dazu gewonnene Selbstsicherheit. "Wir haben viel für unser weiteres Leben mitgenommen", sind sich die Schlichter sicher. Und Fabienne Wöhner ergänzt: "Ich denke, es ist eine gute Sache, unsren Mitschülern helfen zu können, ihre Streitigkeiten selbst zu lösen."
Rainer Schmidt, FRANKENPOST HOF
erschienen am 07.05.2009