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Eröffnungsveranstaltung am 30.01.2007
Unser Schulleiter, Herr StD Rainer Schmidt begrüßte in der Aula des Schiller-Gymnasiums die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, die verantwortlichen Lehrkräfte Jana Dubizka, Lubos Lhotak, Alfons Müller, Peter Schießl und den Referenten Herrn Degelmann vom BN Hof.
Das zugrunde liegende Konzept wurde vom Geschäftsführer des BN Hof Herrn Wolfgang Degelmann und dem Natur- und Erlebnispädagogen Michael Wilfert erarbeitet (http://www.bund-naturschutz.com).
In seinem einleitenden Vortrag „Umwelt und Klima“ stellte Herr Degelmann die Inhalte vor, die uns in mehreren Projekttagen beschäftigen werden.
Die Klimakatastrophe, die sich mit Stürmen, Überschwemmungen und extremen Wetterereignissen, ungewöhnlichen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen ankündigt und sich unseren jungen Menschen in diesem „Ausnahmewinter“ und „Superfrühling“ in das Bewusstsein einprägt hat, erfordert gerade für diese Generation die Suche nach Maßnahmen zum Klimaschutz. Luftschadstoffe machen nicht an Grenzen Halt. In der Stadt Hof und in Nordostoberfranken sind die Schlagworte „Katzendreckgestank“ und „Pseudokrupp“ noch nicht vergessen, die Waldschäden sind seit Jahrzehnten unübersehbar und durch Kyrill noch offensichtlicher geworden. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist dringend notwendig. Mit diesem Projekt soll ein Beitrag dazu geleistet werden.
Gemeinsame Exkursionen
1. Sokolov – Braunkohletagebau
Erster Besichtigungspunkt: Ein neu angelegtes Freibad mit Riesenrutsche, ein tolles Projekt für mehr als 7000 Besucher. Ein gelungenes Beispiel für die Renaturierung (?) einer ehemaligen Kohlegrube.
Zweiter Besichtigungspunkt: Ein Golfplatz mit Hotel, alles vom Feinsten, ganz neu.
Rekultivierung in seiner schönsten Form. In der Ferne sieht man aus riesigern Schornsteinen bedrohliche Rauchwolken aufsteigen.
Dritter Besichtigungspunkt: Blick durch einen Maschendrahtzaun auf eine ausgekohlte Grube. Man könnte noch tiefer graben, doch dann würden die Grundwasservorkommen der benachbarten Heilbäder betroffen. Heimische Gewächse mit getesteter Resistenz sollen die Flächen revitalisieren.
Vierter Besichtigungspunkt: Ein Braunkohletagebau in Betrieb, Betreten verboten, gigantische Ausmaße, großer Schaufelradbagger, schlechte Sicht.
Jetzt aber fahren wir in das Kraftwerk. Unser Führer redet von betrieblichen Störungen und bedauert, dass wir trotz Anmeldung den Bereich des Kraftwerks nicht betreten dürfen. Die Enttäuschung ist groß.
2. Windkraftanlage Sellanger
Dieses „Bürger-Windrad“ (70 Bürger der Region Hof und der Bund Naturschutz sind Miteigentümer) ging am Anfang des Jahres 1996 in Betrieb. Es handelt sich um eine getriebelose Anlage, die über eine vollautomatische Steuerung verfügt. Sie ist online mit dem Servicenetz des Betreibers verbunden, so dass im Bedarfsfall schnell abgeschaltet und auch wieder neu gestartet werden kann. Seit einiger Zeit
rechnet sich diese Windkraftanlage auch finanziell.
3. Wasserkraftwerk Höllental
Hier wird die Wasserkraft der Selbitz bereits seit 1888 genutzt. Eine 1800 m lange Rohrleitung über den bei Wanderern beliebten „Röhrensteig“ führt zum Wasserturm. Von dort aus stürzt das Wasser mit 38 Metern Höhendifferenz durch das Fallrohr (Innendurchmesser 1,7 Meter) in die historische Kraftwerksanlage zu den beiden Francis-Turbinen durch die pro Sekunde 3 m3 Wasser strömen. Die maximale Leistung, abhängig von der Wasserführung der Selbitz beträgt 900 kW, umgerechnet 1224 PS.
Bis 1953 wurde die Papierfabrik Rosenthal auf dem Gebiet der DDR mit Strom beliefert. Seither wird die Energie in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
4. Biomasseheizkraftwerk Thurnau – Seniorendorf
Das neue Biomasse-Heizwerk versorgt ein Senioren- und Pflegeheim sowie ein geplantes Neubaugebiet über eine ein Kilometer lange Trasse mit umweltfreundlicher Biowärme.
Herzstück der Anlage ist ein Holzhackschnitzelkessel mit einer Leistung von rund 400 kW. Das Heizwerk wird im Endausbau mit jährlich rund 610 Tonnen naturbelassenem Wald und Restholz aus der Region beschickt. Die Rohstoffe kommen von ortsansässigen Bauern oder Waldbesitzern.
5. Photovoltaikanlage Hutschdorf
Die größte Anlage Oberfrankens erstreckt sich über eine Fläche von drei Hektar. Kernstück sind Solarmodule, die Sonnenlicht direkt in Strom umsetzen.
Im Einsatz sind kostengünstige Dünnfilmmodule, die an von Autobahnen bekannten Leitplanken in einem 30-Grad Winkel angebracht und in Richtung Süden ausgerichtet wurden. Würde man die Planken aneinanderreihen, ergäbe sich eine Strecke von 13 Kilometern. Auf die Planken wurden 12600 Module geschraubt. Weltweit zählt das Projekt zu den 30 größten privat initiierten Anlagen. Insgesamt wird das Solarkraftwerk etwa 600 000 Kilowattstunden pro Jahr produzieren. 175 Haushalte können damit jährlich versorgt werden.
6. Biogas Meierhof bei Münchberg
„Wir füttern nicht mehr Kühe, sondern Bakterien“, sagt der Land- und Energiewirt.
In riesigen Fahrsilos lagert mit Folien abgedeckt geheckselter Mais und Getreide so wie es bei vielen Bauernhöfen zu sehen ist.
Die Biogasanlage wird einerseits mit Rindergülle und zusätzlich mit nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais „gefüttert". Die Gülle kommt in 6 Meter tiefe Gärbehälter, die absolut luftdicht verschlossen sind. Die Energieausbeute der Anlage wird durch nachwachsende Rohstoffe gesteigert. Dem Gärbehälter werden täglich 30 Tonnen Maissilage und Getreide zugeführt. Im Gärbehälter verrichten Bakterien die eigentliche Arbeit - das Vergären der Gülle, des Getreides und der Maissilage und somit die Umwandlung der organischen Rohstoffe in Biogas.
Der Gassack befindet sich in einer Halle von der Größe einer Turnhalle! Das Biogas wird dann durch zwei Motoren in Energie umgewandelt und schließlich an den Verbraucher weitergeleitet.
Die vergorene Gülle wird ganz herkömmlich auf die Felder ausgebracht und dient als weitaus hochwertigerer Dünger als unvergorene Gülle.
7. Lehrstuhl Ökologische Mikrobiologie (ÖMIK), Uni Bayreuth
Führung und Informationen im Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth durch Herrn Dr. Lüers. Die Abteilung Mikrometeorologie der Universität Bayreuth betreibt im Rahmen von Forschung und Lehre seit 1997 unter der Verantwortung von Prof. Dr. T. Foken und in Zusammenarbeit mit dem Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung BayCEER (Bayreuth Center for Ecology and Environmental Research) eigene Messstationen in Bayreuth und im Fichtelgebirge (Waldstein).
Wer sich über die Klimaänderungen in unserem Heimatraum informieren möchte:
http://www.bitoek.uni-bayreuth.de/mm/de/klima/5407/BotGar/
Eine Führung durch die tropischen Räume in den Gewächshäusern des Ökologisch-Botanischen Gartens bildete den krönenden Abschluss.
Arbeitstreffen in Hof und in Asch
Die Schülerinnen und Schülern aus Asch und aus Hof konnten bei regelmäßigen Treffen die Erfahrungen aufarbeiten, Ergebnisse festhalten, die gesammelten Informationen in Referaten präsentieren. Dazwischen wurden in Plan- und Rollenspielen so manche Kontakte geknüpft. Verständigungsprobleme wurden kreativ gelöst.
Expertengespräche
Am 14. März konnten unsere Schülerinnen und Schüler Behördenleiter und Fachleute aus verschiedenen Bereichen der Industrie mit ihren Fragen „löchern“:
Gruppe Energieträger Referent
1 Die „Windigen“ Strom aus Wind Hr. Keuerleber, Fa. ENERCON
2 Die „sonnigen Elektro´s“ Strom aus Sonnenkraft Herr Stollwerk, Solarfachmann aus Hof
3 Die „sonnigen Hitzi´s“ Wärme aus der Sonne Herr Möller, Ingenieurbüro für Regenerative Energie
4 Die „Wässrigen“ Strom aus Wasser Hr. Rothemund, Wasserwirtschaftsamt Hof
5 Die „Körner“ Strom und Wärme aus Getreide Herr Steinlein, Amt für Landwirtschaft Münchberg
6 Die „Ölscheichs“ Kraftstoff aus Raps Hr. Herold, Rapspresse Markersreuth
7 Die „Gasprom´s“ Strom und Wärme aus Biogas Hr. Böhner, Amt für Landwirtschaft Bayreuth
9 Die „Rasanten“ Kraftstoff aus BTL/Methanol/Ethanol Herr Steinlein, Amt für Landwirtschaft Münchberg
10 Die „Hölzernen“ Strom und Wärme aus Holz Hr. Kremer, Forstamt Bad Steben
Bau des Rahmenkollektors
Das wesentliche Bauteil also die Kupferrohre mit Absorber stellten unsere Schüler selbst her. Dabei lernten sie u. a. die Bearbeitung von Kupferrohren und das Löten kennen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen! Siegfried Oberländer von der Berufschule Hof, der in der Hauptsache Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungstechnik unterrichtet, war von unseren Schülerinnen und Schülern begeistert. Die Anlage wird dem Kinderheim in Asch zur Verfügung gestellt; die Montage erfolgt im Mai. Vielen Dank der Firma Vießmann in Hof für die Unterstützung!
Weiterführung des Projekts
Regelmäßig trifft sich weiterhin eine Gruppe interessierter und hoch motivierter Schülerinnen und Schüler im Büro des BN, um den Abschlussbericht auszuarbeiten. Dabei gilt es, die vorliegenden Referate und Protokolle zu sichten und ein tragfähiges Konzept zu erstellen, wie in der Stadt und im Landkreis Hof die Energieversorgung in der Zukunft aussehen kann. An einem ähnlichen Konzept arbeiten die Schülerinnen und Schüler am Gymnázium a středni odborná škola Aš. Die momentane Situation wird erfasst, wobei die Beschaffung aktueller Zahlen zum Verbrauch nicht-regenerativer Energieträger so manche Schwierigkeiten bereitet. Es sollen aber auch Perspektiven eröffnet und Auswege aufgezeichnet werden.
Abschlussveranstaltung
Am 15. Juni wird das Ergebnis unseres Projekts „Grenzenlose Energie“ im feierlichen Rahmen der Öffentlichkeit vorgestellt. Die politisch Verantwortlichen aus unserem Heimatraum und auch aus Asch und Eger sind eingeladen, sich von unseren jungen, engagierten Experten neue Wege in der Energieversorgung aufzeigen zu lassen!
Alfons Müller, OStR
Hier geht's zur Internetseite "Umweltökologie" !
Hier finden Sie eine Zusammenfassung mit Fotos und einen Abschlußbericht der FRANKENPOST vom 24.07.2007 :
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energie.pdf | (2.41 MB) |