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Karl Chemnitzer, geb. 1923, besuchte von 1930 - 1938 die Schiller-Volksschule:
"Meine Schulzeit!
Ich kam nach Ostern 1930 in die Schillerschule. (Volksschule). Der Eingang für Knaben war in der Westendstraße, der für Mädchen in der Wilhelmstraße. Der obere Block war für Jungens und der untere für Mädchen. Am Eingang der Mädchen war an der Wand ein Bild von Schiller. Im oberen Block war Parterre die Wohnung von Hausmeister Herrn Gottwald. Im unteren Block war die Turnhalle, die mit Holzfußboden und mit Turngeräten ausgestattet war. Im Vorraum war ein Umkleideraum mit Kleiderhaken und Holzbänken. In den Klassenzimmern waren 16 Sitzbänke, verbunden mit Schreibpulten für zwei Personen, die man an Scharnieren hochklappen konnte. Vorne war eine Empore mit einem Pult für den Lehrer. Wir hatten nur normale Fenster zum Öffnen, nicht zum Kippen. Die Schule begann Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag um 8.00 Uhr. Pause war von 10.00 Uhr bis 10.15 Uhr, dann ging es weiter bis 12.00 Uhr, dann von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Am Mittwoch endete die Schule ohne Mittagspause um 13.00 Uhr.
Meine Lehrer waren in der 1. und 2. Klasse Herr Lehrer Netsch, in der 3. und 4. Klasse Herr Lehrer Schnappauf, in der 5. und 6. Klasse Herr Lehrer Konrad, in der 7. und 8. Klasse Herr Lehrer Böhm. Es gab noch einen mittleren Aufgang, der war für die Lehrer bestimmt. Der Schulhof war in zwei Teile geteilt für Mädchen und Jungens."
Marga Goßler, geb. 1926, besuchte von 1933 - 1941 die Schiller-Volksschule:
"Der Eingang für die Mädchen war in der Wilhelmstraße und der für die Knaben in der Westendstraße. Wie waren streng von einander getrennt. Auf dem Dach über der Mitteleingangstüre war ein Wetterhahn. Die Schulküche war im Hochparterre rechts der Mitteleingangstür vom Schulhof aus gesehen. Die 7. und 8. Klassen hatten dort Kochunterricht. Ganz oben war der Zeichensaal. Das Filmzimmer war im 1. Stock. Im Oktober war der "Tag der Hausmusik". Wer wollte, durfte auf seinem Instrument vorspielen. Die Leitung hatte Herr Oberlehrer Spitzenpfeil. Singen hatten wir bei Herrn Kontor Porst, gefreut haben wir uns, wenn er uns dazu auf dem Flügel begleitet hat. Leider weiß ich nicht mehr, wo das Musikzimmer war.
In der Pause hat das Hausmeisterehepaar Milch und Kakao gewärmt, die in kleinen Fläschchen mit Röhrchen vom Milchhof geliefert wurden. Dazu verkauften sie Milchbrötchen. Vor dem großen eisernen Tor in der Schillerstraße standen in der Pause zwei "Wärschtlamänner". 1 Paar dicke Wienerle kosteten 20 Pfennige, ein Paar dünne Wienerle 15 Pfennige.
Eines Tages habe ich mich mit meinen Freundinnen so angeregt unterhalten und wir haben dabei einen Lehrer übersehen und nicht mit erhobenem Arm "Heil Hitler" (Gruß während der Nazizeit) gesagt. Zur Strafe mussten wir "Schillers Glocke" in Blockschrift bis zum nächsten Tag abschreiben.
Am Schuljahresende haben sich alle Lehrer mit ihren Schülern im Schulhof versammelt. Die jeweiligen Schulleiter hielten eine Ansprache, daran anschließend wurde das Deutschlandlied gesungen und damit endete das Schuljahr. Ich kann mich noch gut an Herrn Schulleiter Kolb erinnern, er war zugleich mein Klassenlehrer in der 3. und 4. Klasse und mein Nachbar.
Das ist mir in Erinnerung geblieben."
Karl Spitzenpfeil, geb. 1921, besuchte von 1927 - 1930 die Schiller-Volksschule, danach das Jean-Paul-Gymnasium. Er ist der Sohn des Volksschullehrer und kommissarischen Schulleiters (1945) der Schiller-Schule:
"Volksschullehrer waren damals - soweit erinnerlich: Spitzenpfeil, Goßler, Elflein, Hädler, Sandner, Konrad, Gulden, Kliegel, Joch, Schnappauf, Netsch. Der Eingang für Knaben war von der Westendstraße aus, der für Mädchen von der Wilhelmstraße aus, es war ein schöner Vorbau. Der Kinoraum war am Eingang Westenstraße im Erdgeschoss links, die Zeichenräume im 4. Stock. Im Schulhof standen damals teilweise noch weiß-blühende Akazienbäume. Als diese abgestorben waren, wurden Lindenbäume gepflanzt. Auf den beiden Seitenflügeln und dem Mittelbau waren drei Steintürmchen mit drei Wetterfahnen. Von den beiden Seitenflügeln aus gingen Treppen direkt in den Schulhof. Sie wurden nach dem Krieg abgerissen und durch Fenster ersetzt.
Mein Vater war in der Nazizeit automatisch in der Partei, aber kein Nazi. Nach 1945, schon über 65 Jahre alt, wurde er reaktiviert und kommissarischer Schulleiter."
Max Puchtler erlebte die Schiller-Schule aus einer ganz anderen Perspektive:
Er kam nach einer Verwundung in der Normandie in das in der Schiller-Schule errichtete Reservelazarett. Er lag in einem Zimmer im 2. Stock Richtung Wilhelmstraße in einem von 16 Betten. Stationsarzt war ein Hofer Augenarzt, Dr. Wilhelm Walther.
Am 8. Mai marschierten die Amerikaner von Köditz kommend in Hof ein. Die leichter Verwundeten und einige Unverwundete, die eingeschmuggelt worden waren, schauten interessiert aus den Fenstern. Die Amerikaner schossen in die Decke. Da über den Ausgang Luitpoldstraße über die Mauer hinweg aus einer Großhandlung Wein requiriert worden war, stieg an den Abenden gelegentlich auf den Gängen eine Feier, unterstützt von einem Harmonikaspieler. Die Amerikaner beschwerten sich, drei Wochen lang kehrte Ruhe ein. Nach einem erneuten feuchtfröhlichen Abend fuhren die Amerikaner mit ihren Trucks in den Schulhof und lehrten alle Zimmer. Die Insassen wurden ohne Begleitpapiere auf die Trucks verladen und über die Ascher Straße und die tschechische Grenze nach Eger gebracht. Dort befand sich ein Flugplatz in amerikanischem Besitz, auf dem über 30.000 Gefangene untergebracht waren. Die Hofer Verwundeten mussten ohne Behandlung und Verpflegung 6 Wochen lang ausharren. Man aß Gras und Klee, Pferde wurden geschlachtet. Schutz vor der Witterung suchte man unter Flugzeugflügeln.
Das Schillerschulhaus mit Schillerstraße
Das Schillerschulhaus als Kaserne des Hofer Ersatzbataillons des 7. Infanterieregiments im 1. Weltkrieg
Die kasernierten Soldaten nehmen vor interessiertem Publikum Aufstellung im Schulhof
Die "Chiemgauer" im Hof der Schillerschule
Eine Mädchenklasse der Schillerschule im Jahr 1940
Bildnachweis:
Fotos 1-4 mit freundlicher Genehmigung des Hoermann-Verlags Hof aus : Mit der Kamera durch Alt-Hof
Foto 5 von Frau Marga Goßler