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Vor einigen Monaten wurden wir in einer der Religionsstunden von unserem Lehrer Herrn Kaiser aufgefordert, ihm durch die Gänge der Schule ins Klassenzimmer der anderen Gruppe der katholischen Religionsklassen der Jahrgangsstufe 10 zu folgen. Dort angekommen wurden wir von unseren Parallelklassen und ihrer Lehrerin Frau Berner-Sebald herzlich begrüßt, danach folgte für die meisten von uns, wenn nicht sogar für alle eine große Überraschung: die Vorstellung der Solibrot-Aktion von MISEREOR. Anderen Kindern in ärmeren Teilen unserer Erde helfen, ja, das passte den meisten von uns schon, aber durch Brot? Da aber trotz allem von Anfang an alle recht begeistert waren von der Idee, manch einer vielleicht auch nur, weil er so einige Schulstunden verpassen würde, aber viele auch aus der festen Überzeugung heraus, endlich etwas tun zu wollen, beschlossen wir gemeinschaftlich, dass wir uns der Herausforderung des Brotverkaufs stellen würden.
In wenigen Tagen schon lief die Planung auf Hochtouren, die Bäckerei Eheim aus Schwarzenbach erklärte sich bereit die Brote zu backen und mit den Solibrot-Marken zu kennzeichnen, doch dazu später ein wenig mehr. Unsere zwei „Chefs“, Frau Berner-Sebald und Herr Kaiser, kümmerten sich um die Kontaktierung von MISEREOR, Schule und Kirchen. In einer weiteren gemeinsamen Unterrichtsstunde wurde ein spezielles Projekt ausgewählt, an welches man das erwirtschaftete Geld, je 1 € pro verkauftes Brot, spenden wollte. Das Projekt, das wir uns ausgesucht hatten, heißt „Butterflies- Im Zeichen des Schmetterlings“, doch auch dazu später etwas mehr. Termine wurden abgeklärt, Fahrgemeinschaften gebildet, Plakate entworfen, Listen erstellt, ein Elternbrief wurde verfasst und herausgegeben und natürlich auch alles, na gut, fast alles fotografisch festgehalten. Die Planung und Organisation lief auf Hochtouren, schließlich wollte jeder von uns, dass die Aktion ein großer Erfolg wird.
Dann war es schließlich soweit, der erste Verkauf konnte beginnen! Folgende Kirchen wurden besucht: St. Antonius in Oberkotzau, St. Franziskus in Schwarzenbach /Saale, St. Konrad und St. Marien in Hof. Der Verkauf lief trotz anfänglicher Zweifel sehr gut, die Menschen waren begeistert. Doch eine Begeisterung war kaum noch zu toppen - nämlich als schließlich die Brotkörbe leer waren und Nachschub von der Bäckerei geholt werden musste, um dem Andrang der „Kunden“ standhalten zu können.
Als schließlich dann auch die vorläufigen Bestellzahlen der Schülerinnen und Schüler des Schiller-Gymnasiums vorlagen (über 1400 Brote!), waren auch die letzten Zweifel an dieser Aktion verschwunden. Immer noch, und besonders jetzt, arbeiteten alle voller Engagement, besonders die Bäckerei...
Die Bäckerei, ja, ohne sie hätte diese Aktion nie in so einer Form stattfinden können. Die Besitzer sind im Übrigen die Eltern einer Mitschülerin, die auch mit beteiligt war am Solibrot- Verkauf. Die Bäckerei selbst verdiente an der ganzen Brotaktion keinen, wie sagt man so schön, Pfennig. Aber um vom alten Pfennig zum harten Euro zu kommen: Die Einnahmen unserer Aktion, insgesamt über 2000 €, zeigen schon auf, wie viele Brote hier gebacken werden mussten, und da dies doch einige Zeit in Anspruch nimmt und auch der Transport und die Mehrarbeit der Bäckerei im Ganzen nur zu würdigen ist, bedanken wir uns hier noch einmal recht herzlich bei der Familie Eheim und ihren Backkünsten.
An unserer Schule selbst wurden beim Verkauf viele lustige und überraschende Geschichten erlebt. Schülerinnen, die in der Pause oder teilweise sogar schon im Klassenzimmer, sehr zur Freude einiger Lehrkräfte übrigens, einfach nicht widerstehen konnten und in das frisch gebackene, teils sogar noch warme Brot bissen. Schüler, die, obwohl sie eigentlich kein Brot bestellt hatten, plötzlich trotzdem eines oder auch mehrere kauften. Überall freudige Gesichter, natürlich auch im Lehrerzimmer, denn auch dort fand das Brot guten Absatz. Die Körbe mit den Broten, deren Anblick noch am Morgen jedem dem Atem verschlagen hatte, leerten sich rasant und schlussendlich musste auch hier nochmals Nachschub angefordert werden, welcher auch prompt kam. Völlig geschafft, aber überglücklich wurde schließlich das Geld gezählt und eine vorläufige Summe von insgesamt um die 1900 € festgestellt.
So viel Geld, dachte sich sicherlich mancher von uns, und liegt damit nicht einmal verkehrt, und damit kommen wir genauer auf unser Projekt zurück: „Butterflies-Im Zeichen des Schmetterlings“. Das ist eine Aktion, die Straßenkindern in Indien, genauer gesagt in Delhi, und dort gibt es tausende von ihnen, hilft. Hilft, an anständige Nahrung zu kommen, Lesen und Schreiben zu lernen, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Aber auch Dinge wie zum Beispiel medizinische Versorgung oder Spiel und Spaß werden so den Kindern näher gebracht.
Das Highlight und gleichzeitig ein toller Abschluss unserer Aktion war dann im Mai der für uns doch recht überraschende Besuch aus Indien. Von den größtenteils ehrenamtlichen Helfern in Delhi kam uns einer - man glaubt es kaum - zusammen mit Rita Panicker, der Gründerin und Leiterin der Organisation "Butterflies", am Schiller-Gymnasium besuchen. Nein, wir haben die beiden natürlich nicht von den Spendengeldern einfliegen lassen! Das ganze war eher ein großer Zufall, denn die zwei waren von Misereor zum Katholikentag nach Osnabrück eingeladen worden und ließen es sich dann nicht nehmen, sich persönlich bei uns für die große Spende zu bedanken.
Zwei waschechte Inder hatten wir da nun vor uns und Herrn Stahl von MISEREOR. Diese drei Personen erzählten und veranschaulichten uns mithilfe von vielen eindrucksvollen Fotos, was „Butterflies“ in Indien bewirkt. Und mal ehrlich, das ist doch noch mal etwas ganz anderes, Informationen aus erster Hand zu bekommen, als nur darüber zu lesen. Neben den eben erwähnten eindrucksvollen Fotos gab es auch einige andere bemerkenswerte Dinge: fahrende Schulen, die als Gong eine Bollywood-Melodie haben, gesponserte Fernsehgeräte von deutschen Politikern und von Straßenkindern betriebene „Kantinen“. Die in Indien gültige Währung ist übrigens die Rupie, ungefähr 60 Rupien ergeben einen Euro. Die meisten der Menschen in Indien verdienen nicht einmal so „viel“ am Tag, daran sieht man, dass mit der von uns insgesamt erreichten Summe von 2000 € doch einiges bewegt werden kann.
Wir als Reli-Klassen der Jahrgangsstufe 10 des Schiller-Gymnasiums-Hof sind stolz darauf, dass die Aktion so ein großer Erfolg geworden ist und bedanken uns noch einmal recht herzlich bei allen, die uns unterstützt haben, sei es durch den Einkauf von Brot oder durch anderweitige Dienste.
Emil Rosenberger,
Klasse 10a
Auch Misereor fand das Engagement der Schülerinnen und Schüler großartig und hat die Hofer Solibrot-Aktion auf ihrer Homepage unter folgendem Link aufgenommen:
http://www.misereor.de/aktionen-kampagnen/solibrot.html
Zudem gibt es auf der Homepage der Schwarzenbacher Pfarrgemeinde St. Franziskus eine Diashow zur Solibrot-Aktion der 10. Jahrgangsstufe:
http://www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de/archiv/2008/maerz_text_03.htm