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„Auch im Fußball steckt Mathematik“

Interview | Direktor Rainer Schmidt über die Angst der Schüler vor Geometrie, die Freude am Tüfteln und Bayern-Trainer Hitzfeld

Das Wissenschaftsjahr 2008 steht ganz im Zeichen von Zahlen, Formeln und Kurven. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2008 zum „Jahr der Mathematik“ ausgerufen. Gemeinsam mit der Initiative „Wissenschaft im Dialog“, der Deutschen Telekom Stiftung und der Deutschen Mathematiker-Vereinigung werden über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Veranstaltungen ausgerichtet. Wir sprachen mit dem Oberstudiendirektor und leidenschaftlichen Mathematiker Rainer Schmidt, der das Hofer Schiller-Gymnasium leitet und dort eine zehnte Klasse in Mathematik unterrichtet.

Herr Schmidt, Sie wissen, dass es viele Vorurteile gegenüber Mathematikern gibt?

Oh ja. Uns wird nachgesagt, wir seien ziemlich humorlos und neigten stets zu nüchternen Analysen. Und manche unterstellen uns gar eine gewisse Weltfremdheit.

Und? Trifft das auf Sie zu?

Wer mich kennt, wird mich kaum als humorlosen oder nüchternen Menschen beschreiben. Abgesehen davon ist Nüchternheit an sich nichts Schlechtes. Sie hilft dabei, unvoreingenommen an der Lösung von Problemen zu arbeiten.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Mathematik entdeckt?

Schon in der Grundschule hatte ich Freude am Umgang mit Zahlen. Bei Wettbewerben wie „1x1 auf Zeit“ war ich immer vorne dabei. Auch später am Gymnasium hatte ich durchgehend gute Noten in meinem Lieblingsfach.

Die Abiturnote fiel entsprechend gut aus?

Ja, ich hatte eine Eins.

Danach haben Sie sich für ein Lehramtsstudium entschieden. Warum?

Der wichtigste Grund ist, dass ich sehr gerne mit jungen Menschen zu tun habe. Mir macht das Unterrichten großen Spaß. Hinzu kam, dass ich keine genaue Vorstellung davon hatte, was man denn mit einem Mathe-Diplom später beruflich anfangen könnte.

Was fasziniert Sie so an Ihrem Fach?

Es ist reizvoll, weil man immer wieder etwas Neues entdeckt und weil es oft unterschiedliche Wege gibt, um zur richtigen Lösung zu gelangen. Zudem tüftle ich gerne. Jedes Jahr hole ich mir zum Beispiel die Aufgaben des Bundeswettbewerbs Mathematik. Die Aufgaben sind oft ziemlich knifflig.

Aber letztendlich sind Sie immer erfolgreich?

Ja.

Kann es sein, dass mancher einfach kein Talent für Mathematik hat?

Natürlich gibt es Menschen, die eine besondere Begabung für Geometrie oder Algebra haben. Aber oft ist der Verweis auf mangelndes Talent nur ein Vorwand. Und ich habe den Eindruck, dass sich diese negative Grundhaltung nicht nur bei einigen Schülern, sondern auch bei dem einen oder anderen Erwachsenen verfestigt hat. Wenn das Kind mit schlechten Mathe-Noten nach Hause kommt, dann neigen manche Eltern dazu, das damit zu entschuldigen, dass sie ja schließlich auch ihre Probleme mit diesem Fach gehabt hätten. Bei einer Fünf in Deutsch ist das hingegen nicht so – da ist Feuer unterm Dach. Für Mathematik gilt dasselbe wie in anderen Bereichen: Mehr Einsatz führt in der Regel zu mehr Erfolg.

Warum ist sie dann trotzdem für so viele Schüler ein „Angstfach“?

Das größte Problem ist, dass sich Wissenslücken wie ein roter Faden durch die Schullaufbahn ziehen. Und je mehr diese Lücken offenkundig werden, desto größer wird die Verunsicherung.

Was kann man tun?

Es gibt sehr gute Fachliteratur, die als Lernhilfe dienen kann. In vielen Fällen ist es auch förderlich, wenn man sich an geeignete Leute wendet, die einem den Stoff nochmals erklären können. Manchmal sind es Klassenkameraden, die das am besten können, weil sie sich gut in die Lage des Mitschülers hineinversetzen können.

Der Gießener Professor Albrecht Beutelspacher fordert eine grundlegende Reform des Mathe-Unterrichts. Dieser sei bislang vor allem als „Disziplinierungsinstrument“ verstanden worden, kritisiert er.

Beutelspacher will Mathematik greifbarer machen. Praktische Beispiele sollen die Zusammenhänge anschaulicher machen und es soll spielerischer mit den Themen umgegangen werden. Sicher ist nicht alles umsetzbar, was Beutelspacher vorschlägt, aber der Grundgedanke ist richtig.

Was macht das Schiller-Gymnasium konkret?

Wir haben uns für das „Jahr der Mathematik“ etwas Besonderes einfallen lassen. Jede Klassenstufe arbeitet an einem bestimmten Projekt und die Ergebnisse werden an einem „Mathe-Abend“, zu dem auch die Eltern eingeladen werden, präsentiert. Wir wollen damit den Schülern zeigen, dass Mathematik auch Spaß machen kann.

Gutes Stichwort. Ist der Spaß für die meisten nicht spätestens dann wieder vorbei, wenn Vektor- oder Infinitesimalrechnung auf dem Lehrplan stehen?

Ich weiß, dass sich viele die Frage stellen: Wozu brauche ich das alles? Es mag ja sein, dass manche mathematischen Finessen zu ausführlich behandelt werden. Aber man sollte nicht vergessen, dass es bei Gymnasiasten auch um die Befähigung zum Studium geht. Ob Betriebswirtschaftslehre, Informatik oder Psychologie – es wird oft unterschätzt, dass in vielen Studiengängen zum Teil erhebliches Mathematikwissen erwartet wird.

Welche Mindestkenntnisse sollte ein Durchschnittsbürger haben?

Dazu gehört die Beherrschung der Prozentrechnung. Und auch mit Dezimalzahlen sollte man umgehen können.

Können Sie sich vorstellen, was Mathematik mit Fußball zu tun hat?

Hm.... Ach, Sie meinen das berühmte Zitat von Karl-Heinz Rummenigge.

Der Bayern-Vorstandschef hat den gelernten Mathelehrer und Star-Trainer Ottmar Hitzfeld mit dem Satz „Fußball ist keine Mathematik“ gerüffelt.

Das ist doch ein typisches Beispiel für die Vorurteile gegenüber Leuten, die sich professionell mit Mathematik beschäftigen. Da hört man die Einstellung doch deutlich durch: Mathe ist ja schön und gut – aber im wirklichen Leben sieht alles ganz anders aus. Dabei waren es doch gerade Hitzfelds exzellente analytische Fähigkeiten, die viel zu den großen Erfolgen der Bayern beigetragen haben. Übrigens steckt auch im Fußball – also dem Spielgerät an sich – Mathematik. Der klassische Ball besteht aus lauter weißen Sechsecken und schwarzen Fünfecken.

Einer Studie zufolge sind technische Studiengänge bei deutschen Studenten nicht sonderlich beliebt. Ist Deutschland ein technikfeindliches Land?

Nein, das würde ich nicht sagen. Unser wirtschaftlicher Erfolg zeigt, dass wir ein High-Tech-Land sind. Allerdings stelle ich manchmal fest, dass bei uns zuerst die Nachteile von technischen Errungenschaften gesehen werden und erst im Nachhinein die Vorteile. Ich hoffe, dass Imagekampagnen wie das „Jahr der Mathematik“ zu einem Bewusstseinswandel beitragen können.

Von Matthias Will
erschienen am 10.01.2008 in der FRANKENPOST

Wer ist Rechenkünstler? Für diejenigen Leser, die gerne tüfteln, präsentiert Oberstudiendirektor Rainer Schmidt in unserer Zeitung seine Lieblings-Textaufgabe:

Ein Student verdient sich ein Zubrot, indem er Zeitungsabonnements vermittelt und die dabei fälligen Prämien kassiert.
Eines Tages öffnet ihm eine Frau die Haustür. Er trägt ihr sein Anliegen vor und möchte sie zu einem Abo überreden. Die Frau ist misstrauisch und glaubt zunächst nicht, dass er wirklich ein Student ist. Auf ihre Frage nach seinem Studienfach antwortet er pflichtgemäß: „Mathematik, was sonst?“ „Wenn das wahr ist, können Sie sicher eine kleine Aufgabe lösen und als Belohnung nehme ich eines Ihrer Abos!“, sagt sie darauf und stellt ihm folgende Aufgabe:
„Ich habe drei Töchter. Wenn Sie das Alter meiner drei Töchter malnehmen (multiplizieren) erhalten Sie als Ergebnis 36. Wenn Sie die 3 Zahlen jedoch zusammenzählen, erhalten Sie als Ergebnis unsere Hausnummer!“
Der Student beginnt mit Blick auf die Hausnummer sofort angestrengt zu rechnen. Nach kurzer Zeit gibt er auf. „Ich kann die Aufgabe nicht lösen“, gesteht er kleinlaut ein. „Ach, ich habe vergessen, Ihnen zu sagen, dass meine älteste Tochter Klavier spielt“, entschuldigt sich die Frau daraufhin. „Na, wenn das so ist, dann sind Ihre Töchter … Jahre alt“, antwortet er prompt. Die Frau nickt bestätigend und unterschreibt wie versprochen ein Zeitungsabo.
Wie alt sind die Töchter?

Hier findet man die Lösung !

 

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