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Mit Herkules an der Isar

Lehrfahrt der Lateinschüler der 11. Klassen zur Herculaneums-Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung in München am 11.10.2006

"Am 11.Oktober fahren wir nach München!", dieser Satz löste bei vielen von uns Jubelschreie aus. Endlich durften auch wir, die Lateiner, aus dem zähen Unterrichtsleben hinaus in die freie Welt. Genauer gesagt ging es in die Archäologische Staatssammlung Münchens, woraufhin der ein oder der andere Jubelschrei leiser wurde.

An diesem besagten Mittwoch trafen wir uns morgens, viel zu früh, um 6.30 Uhr im Saal des Hofer Hauptbahnhofs, um routinemäßig von unseren Leiterinnen, Frau W.-Dehler und Frau Dumann auf der Anwesenheitsliste abgehakt zu werden. Die einzelnen Lateingrüppchen aus den Klassen 11 a, b, d und e verließen, diesmal als eine geschlossene große Gruppe, pünktlich um 6.44 Uhr die geliebte Heimat in Richtung Regensburg. Doch was wäre eine Reise ohne Schwierigkeiten? Natürlich langweilig, deshalb entschloss sich ein LKW-Fahrer,- anscheinend im Rausch der Gefühle-, in die Bahnschienen zu fahren und uns so an der Weiterfahrt zu hindern, wodurch wir unseren Anschlusszug in Regensburg um 10 Minuten verpassten. Doch wer den Regensburger Hauptbahnhof kennt, der weiß, dass einem dort schlecht langweilig werden kann. So verbrachten wir unsere unabsichtlich gewonnene Freizeit (45 Minuten) mit Eis essen, Kaffe trinken oder damit, die ein oder andere zu rauchen, bis der nächste Zug kam, der in die Landeshauptstadt fuhr. In München angekommen, schafften wir es trotz einiger Orientierungslosigkeit noch rechtzeitig in die Archäologische Staatssammlung.

Hier ging es um die antike Stadt Herkulaneum, die durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde, allerdings mit einigen Unterschieden zu Pompeji.

Die Stadt Herkulaneum, die zu Ehren des Herkules errichtet wurde, war eine ruhige und kleine Stadt mit etwa 4500 Einwohnern. Die westlich vom Vesuv gelegene Stadt wurde zunächst größtenteils von dem Ausbruch des aktiven Vulkans verschont. Da ein starker Nordwind die Auswürfe des Vesuvs auf Pompeji niederfallen ließ, hatten die Bewohner von Herkulaneum genügend Zeit, die Flucht zu ergreifen und sich zu retten. Pompeji wurde komplett von einem Bimssteinregen verschüttet, wobei die meisten völlig ahnungslos von der Katastrophe überrascht wurden. In Herkulaneum aber starben die Menschen aufgrund der sog. pyroklastischen Welle (ca. 400-500 Grad Celsius heißes Gas-Aschen-Gemisch) die mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h über die Stadt niederging. Als ob das nicht reichen würde, wurde die Stadt, mit einem heißen Schlamm-Geröll-Gemisch überwälzt, das die Stadt für die Nachwelt konservierte. Das war das tragische Ende von Herkulaneum. Doch inzwischen ist etwa ein Viertel der antiken Stadt wieder ausgegraben, wobei die Arbeit der Wissenschaftler erheblich eingeschränkt ist, da die Ausgrabungsstädte im Mittelalter überbaut wurde.

Das war unser kleiner Exkurs in die Antike, der uns, von unserer Führerin relativ komprimiert dargestellt wurde. Nach dieser Flut an Wissen mussten wir unsere Köpfe erst einmal wieder leer fegen, wobei die Münchner Innenstadt dafür nahezu perfekt geeignet ist. Um 13.30 Uhr bekamen wir unsere wohlverdiente Freizeit, die wir grüppchenweise zusammen genießen durften. Ob man nun shoppen, etwas essen, einen Kaffe trinken oder tatsächlich, wie ein waschechter Tourist, einfach nur Sehenswürdigkeiten besichtigen wollte, blieb einem selbst überlassen. Da auch das Wetter mitspielte, war der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch auch der schönste Tag, ist irgendwann zu Ende und so verabschiedeten wir uns pünktlich um 16.44 Uhr vom Münchner Hauptbahnhof, und traten die Heimreise an. Diese verging natürlich größtenteils- gesprächsfreudig wie man nach dem ganzen Kaffe nun mal ist- relativ schnell, und im Gegensatz zur Hinfahrt, eher ereignislos. So kamen wir erschöpft, die meisten auch schon wieder hungrig, in Hof an. Nach einem kleinen Dankeschön von unseren Lehrerinnen für den reibungslosen Ablauf und unsere tadellose Disziplin war unser Latein-Ausflug tatsächlich auch schon wieder herum, der uns aber mit Sicherheit noch länger, nicht nur wegen der vielen Fotos, die geschossen wurden, in Erinnerung bleiben wird. Vielleicht, so hofften jedenfalls unsere beiden Lateinlehrerinnen, würde der ein oder andere sich, durch die gewonnenen Eindrücke der Ausstellung motiviert, dazu entscheiden, auch nächstes Jahr Latein zu belegen. Diverse Überlegungen gab es auf jeden Fall.

Yakup C. Özkardes

 

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