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„O alte Burschenherrlichkeit“

von Leo Reichel

Wer kennt ihn nicht, den deutschen Filmklassiker „Die Feuerzangenbowle“ mit dem unvergessenen Schauspieler Heinz Rühmann in der Hauptrolle des schelmischen Oberprimaners Pfeiffer? Wer hat nicht schon einmal auf einer alten Fotografie einen ernst dreinblickenden jungen Herren mit Verbindungsband über der Brust und einer Studentenmütze gesehen? Reminiszenzen an eine längst vergangene Zeit; eine Zeit, in der die Schüler der weiterführenden Schulen voller Stolz die Zugehörigkeit zu „ihrer“ Bildungsstätte durch das Tragen einer bunten Schülermütze öffentlich zur Schau stellten.

Heute bestehen in Deutschland noch etwa 130 Schülerverbindungen. Die Hälfte davon ist im Freistaat Bayern anzutreffen, hiervon wiederum zwei Drittel in Franken. In keiner anderen Region jedoch ist die Dichte der Schülerverbindungen so hoch wie in Oberfranken. Dies dürfte seine Ursache in der geschichtlichen, geographischen und wirtschaftlichen Sonderstellung Oberfrankens innerhalb Bayerns haben. Der Regierungsbezirk Oberfranken kann daher mit Recht als „Hochburg der Schülerverbindungen“ bezeichnet werden. Dennoch ist auch in Oberfranken nur wenig über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Entstehens der Schülerbünde bekannt, da diese von der Obrigkeit verboten waren und im Geheimen tagen mussten. Im Folgenden wird ein kleiner Abriss über die Entwicklung aufgezeichnet und – soweit es die spärliche Quellenlage zu lässt – ein Überblick über die in der Schulstadt Hof beheimateten Pennälerverbindungen gegeben:

Da Schülerverbindungen stets an ein Gymnasium oder eine Realschule geknüpft sind, bestehen sie in aller Regel nur an Orten mit den entsprechenden Schulen. In unserer Region war die Stadt Hof als zentraler örtlicher Sitz von weiterführenden Schulen auch Entstehungsort zahlreicher Verbindungen. Eine der ältesten Bildungsanstalten Bayerns ist das humanistische Jean-Paul-Gymnasium Hof, dessen Ursprünge bis in das 15. Jahrhundert zurück reichen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die ältesten Pennalverbindungen Hofs gerade am Jean-Paul-Gymnasium nachweisbar sind. Bereits für das Jahr 1821 ist dort der „Burschenschaftliche Verein“ belegt, der bis 1824 bestand. Ein „Literarischer Kranz“ wurde am 14. 02.1823 ebenfalls am Jean-Paul-Gymnasium als „getarnte“ Schülerverbindung gegründet. 1884 ist eine Vereinigung „Hermunduria Hof“ und 1903 eine „Regnitia Hof“ mit den Farben rot-weiß-grün belegt, die bis 1906/07 bestand. Aus zunächst losen Abiturientenverbänden um 1900 entstand am 09.06.1907 die Pennälerverbindung „Abituria JPG Hof“ mit den Bandfarben weiß-rot-weiß und roten Mützen.

Mit Einführung des „Absolutoriums“, heute etwa vergleichbar mit der „Mittlere Reife“, an der Gewerbeschule Hof im Jahr 1869 gründete sich dort die „Absolvia Hof“ mit den Farben weiß-grün-weiß und weißen Mützen. Nach Umwandlung der Gewerbeschule Hof in die Realschule Hof im Jahr 1894 sind dort weitere Schülerverbindungen belegt: 1895 die „Bavaria“ mit den Farben weiß-blau-weiß sowie 1921 die „Normannia“, Farben schwarz-weiß-grün, und im gleichen Jahr die „Bayuvaria“, Farben blau-weiß-schwarz mit blauen Mützen. Sowohl die „Bavaria“ als auch die „Normannia“ schlossen sich im Jahr 1933/34 mit der „Absolvia Hof“ unter deren Namen zusammen. Am 05.10.1958 sollte später noch die „Absolvia Schwarzenbach/Saale“ hinzu kommen.

Mit Entschließung Nr. 10319 des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 17.03.1923 wurde die damalige Realschule Hof in eine Oberrealschule, das heutige „Schiller-Gymnasium“, zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife umgewandelt. Realschule und Oberrealschule bestanden von nun ab als zwei getrennte Schularten. Kurz nach Ausweisung der Oberrealschule Hof erfolgte dort die Gründung der Schülerverbindung „Abituria der Oberrealschule Hof“, kurz „Abituria O.R.“, mit den Farben grün-weiß-rot und grünen Tellermützen.

Ebenfalls 1926, dem Jahr des ersten Abiturs an der Oberrealschule Hof, wurde auch die bald staatstragende Hitlerjugend gegründet, die viele junge Menschen in ihren Bann zog. Der spätere Reichsjugendführer Baldur von Schirach erklärte schließlich ein gleichzeitige Mitgliedschaft in der Hitlerjugend und in einer Verbindung für unvereinbar. Ein eher unbedeutender Vorfall wie das berühmte Spargelessen eines Heidelberger Corps brachte 1933 schließlich das staatliche Verbot für sämtliche Schüler- und Studentenverbindungen: Bei diesem Spargelessen war im Scherz geäußert worden, der Führer besitze ein so großes Mundwerk, dass er den Spargel quer essen könne. Die „Abituria O.R. Hof“ und die „Absolvia Hof“ mussten den Verbindungsbetrieb 1934 einstellen, die „Abituria JPG“ konnte noch bis 1936 bestehen.

Es zeugt von dem starken Band der Zusammengehörigkeit unter den ehemaligen Abiturienten und Absolventen, dass sich alle drei Hofer Schülerverbindungen nach dem II. Weltkrieg und nach Aufhebung des Vereinsverbotes durch die amerikanische Besatzungsmacht wieder gründen konnten: Die „Abituria O.R.“ am 20.08.1948 in der Gaststätte „Hartmann“ (heute „Kramer“) in der Altstadt, die „Abituria JPG“ im Jahr 1951 und die „Absolvia“ am 21.10.1954 in der Gaststätte „Meinel`s Bas“ in der Vorstadt. Die folgenden Jahre erbrachten einen regen Zulauf von Schülern der Hofer Gymnasien und der Realschule; das Verbindungsleben kam für einige Jahre wieder voll in Schwung. Die Jugend-Revolte der späten Sechziger ließ das Interesse am Verbindungswesen dahin schmelzen. Die „Abituria JPG von 1907“, zweitälteste Hofer Schülerverbindung, musste mangels Nachwuchses 1971 erneut schließen – und dieses Mal für immer.

Heute existieren in Hof wieder drei Pennälerverbindungen: Neben die altehrwürdigen Vereinigungen „Absolvia Hof von 1869“ und „Abituria O.R. Hof von 1923“ hat sich die „Freie Schülerverbindung Saalensia“ gesellt, gegründet am 12.01.2002 von Schülern und ehemaligen Abiturienten der Fach- und Berufsoberschule. Ihre Bandfarben sind schwarz-weiß-blau, die Mütze ist blau.

Im steten Auf- und Ab der Hofer Schülerverbindungen spiegelt sich das wechselhafte Schicksal Deutschlands und der wechselnde Zeitgeist vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart wieder. Allen geschichtlichen Irrwegen zum Trotz ist dennoch bis heute durch die Schülerverbindungen etwas vom Zauber der „Feuerzangenbowle“ und der „Alten Burschenherrlichkeit“ erhalten geblieben.


 

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