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In Paris zeigt Vivi ihre ganze Energie

Erfolg | Die 15-jährige Perkussionistin Viviane Vassileva schafft es bei ihrem ersten internationalen Wettbewerb gleich ins Finale.

Von Christoph Plass

Hof/Paris - Sogar die Juroren haben über ihre Kraft gestaunt. Schaffensdrang und Willensstärke, Unternehmungslust und Temperament, Dynamik, Coolness und Vitalität schlagen sich nieder, wenn sie ihre Schlägel tanzen lässt. Viviane Vassileva ist gerade 15 Jahre alt geworden, sie ist G8-Gymnasiastin im "Schiller", Perkussionistin an der Symphoniker-Musikschule, seit Februar auch Schülerin an der Musikhochschule Stuttgart, und sie arbeitet gerade zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk an ihrer ersten Solo-CD. Vergangene Woche war Vivi mit ihrer großen Schwester in Paris - sie hat sich dort mit Musikern aus der ganzen Welt gemessen: Beim internationalen Festival "Perkumania" hat sie es ins Finale geschafft, hat sich unter den 25 Teilnehmern ihrer Wertung den dritten Platz erspielt.

Ihr Instrument ist die Marimba, der große, hölzerne Schwester des Glockenspiels. Seit einem guten halben Jahr spezialisiert sich Vivi auf die Klangstäbe, in Paris hat sie mit Künstlern konkurriert, die seit zehn Jahren und länger im Marimba-Spiel zu Hause sind. Trotzdem: In den Ohren der Juroren - Perkussionsprofessoren aus Europa und den USA - hat die Hoferin derart Eindruck gemacht, dass sie es in die dritte Runde, die Finalrunde, schaffte.

Dafür hat die 15-Jährige auch hart gearbeitet: Seit sie sich im April sicher war, dass sie in Paris antreten möchte, hat sie geprobt, drei Stunden täglich zuweilen. Zwölf Pflichtstücke musste sie beherrschen, für jede Runde andere - zum Vergleich: Bei einem "normalen" Wettbewerb wie Jugend musiziert werden meist drei oder vier erwartet. Im Sommer hat Vivi die Marimba zum Familienurlaub nach Bulgarien mitgenommen, in den Wochen vor dem Wettbewerb war sie sogar vom Schulunterricht befreit, um sich gut vorbereiten zu können.

"Meine Familie hat mir wahnsinnig viel geholfen", bedankt sich die 15-Jährige nach dem Wettbewerb - der Vater ist Violinist bei den Hofer Symphonikern, der Bruder spielt im Sinfonieorchester London, Schwester Veronika musiziert als Profi in Orchestern und Ensembles in Dallas, Texas. Dabei gab es viele musikalische Diskussionen im Hause Vassilev: "Auch wenn wir andere Instrumente spielen, das Gefühl für die Musik ist das gleiche", sagt Veronika, die ihre Schwester nach Paris begleitet hat.

Werke von barock bis zeitgenössisch gehörten dort zu den Anforderungen für den Wettbewerb, viele der Pflichtstücke stammten aus der Feder der Juroren selbst: "Es war für mich eine besondere Ehre, den Komponisten selbst ihre Stücke vorzuspielen", erzählt Vivi. Und damit hat sie ziemlich viel Eindruck gemacht, hat überschwängliche Reaktionen erhalten: "Einer sagte sogar zu mir, das war die beste Interpretation seines Stückes, die er je gehört habe", berichtet die Hoferin - da habe sie Tränen in den Augen gehabt.

"Die Technik zu trainieren war das eine, aber viel länger habe ich gebraucht, um den Stücken Leben zu geben", sagt die junge Musikerin. Sie hat genaue Vorstellungen, exakte Bilder im Kopf - die sie in Paris auch im Ensemblespiel mit Studenten beweisen und umsetzen musste.

Gefördert wird Vivi, in Hof Schülerin von Claudio Estay, auch von einer ganz anderen Seite: "Der Bayerische Rundfunk will eine CD von mir herausbringen." Den ersten Teil davon hat sie schon im Studio eingespielt, der zweite folgt im Frühjahr. Dann steht bereits der nächste internationale Wettbewerb an. Wo sie erneut energiegeladen ihre Schlägel tanzen lassen wird.

Erschienen am 05.12.2009in der FRANKENPOST HOF

 

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